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cher Freund zu erkennen, ſo tritt das alte Buͤndniß wieder ein, und dann iſt leicht kein Dienſt, kein Opfer groß genug, welches den alten Anfoderungen der Freundſchaft nicht gern gebracht wuͤrde.— Nach Umſchauung und Exrwaͤgung glaube ich behaupten zu koͤnnen, daß groͤßtentheils der Grund jenes maͤchtigen Gefuͤhls in dem gewoͤhnlichen Mangel des eigent⸗ lichen engen Familienlebens liegt. Zuvoͤrderſt muß ich erinnern, daß ich hier mehr von den Zeiten rede, in welche meine Kinderjahre fielen, alſo etwa von dem Beginne des Jahrhunderts und ſeinen Misbraͤu⸗ chen; ſeitdem hat ſich Manches in den wohlhabenden Claſſen gebeſſert.
In jenen Tagen gab man die Kinder im zarte⸗ ſten Alter ſchon in Penſion. Seltene Beſuche ent⸗ fremdeten ſie dem aͤlterlichen Hauſe, und vom drei⸗ zehnten bis zum ſiebzehnten Jahre faͤllt auch jetzt ſchon die Zeit, wo man gewoͤhnlich ins Collegium ein⸗ tritt, um ſich zur Univerſitaͤt vorzubereiten. Die Ge⸗ ſchwiſter lernen ſich auf dieſe Weiſe kaum kennen, die Geſchwiſterliebe wird dem Zufalle anheimgeſtellt; und ſo iſt das Familienband nur ſehr locker geſchuͤrzt. Iſt der Knabe von Penſion zu Penſion, ſeinen wach⸗ ſenden Faͤhigkeiten zufolge, bis ins Collegium gewan⸗ dert, ſo tritt ploͤtzlich ein anderes Leben ein. In Penſionen wechſeln die Gefaͤhrten oft, ſie treten ein, ſcheiden aus, werden durch Andere erſetzt; hat man


