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Die beiden Liberalen : aus den Memoiren eines jungen Parisers / herausgegeben von Leontine Romainville
Entstehung
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ten mich noch ſpaͤter oft erroͤthen, weil ich mir ſelbſt, im Vergleich mit Dir, kalt und egoiſtiſch ſchien. Wie feſt warſt Du bei den Gefahren, die unſer jugendlicher Leichtſinn ſo oft herbeifuͤhrte, wie wußteſt Du uns durch die ruhige überlegenheit Deines Geiſtes zu be⸗ herrſchen.

Du, leichtſinniger, geiſtreicher Dumont, warſt uns durch Deine Heiterkeit unentbehrlich. Die Strafen, die uns groͤßtentheils durch Dein Verſchulden trafen, wurden mit Leichtigkeit ertragen, wenn wir ſie ge⸗ meinſchaftlich erdulden mußten, denn Dein unerſchoͤpf⸗ licher Witz, Deine Wortſpiele, Verſe, luſtigen Streiche al⸗ ler Art entſchaͤdigten uns reichlich fuͤr die kurze Entbeh⸗ rung der Freiheit. Deine Zukunft war vorauszu⸗ ſehen; die Faͤhigkeit, Alles geiſtreich aufzufaſſen, leb⸗ haft darzuſtellen, ſtempelte Dich zum Schauſpieler oder Dichter, und zum Vortheile Deiner buͤrgerlichen Stel⸗ lung in Paris waͤhlteſt Du das Letztere; Du haſt ſchon eine Reihe vortrefflicher Stuͤcke geliefert, biſt dadurch der Liebling des Publicums, wohlhabend geworden, und haſt alle Urſache mit Deinem Schickſale zufrieden zu ſein. Du, Marquis von Noville, warſt vornehmer, reicher als wir Andern. Mit ſeltenen guten Gaben des Herzens und Verſtandes ausgeruͤſtet, wollteſt Du anfangs auch die Vorzuͤge Deiner Geburt geltend ma⸗ chen, doch konnte es Dir nicht gelingen, denn von allen fruͤheren Gefaͤhrten deshalb zuruͤckgewieſen, warſt

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