ben ihm auf einem freigewordenen Stuhle niedergelaſ⸗ ſen hatte, in beſcheidener Entfernung, aber doch nahe genug, daß der Kurfürſt jedes Wort des eindringlich, aber doch leiſe geführten Geſprächs vernehmen konnte. Es war der Beichtvater und Gewiſſensrath des regie⸗ renden Kurfürſten, der Rector des Jeſuitenkloſters, Pater Menradus Roſe, ein noch junger Mann von ſchlanker und wohlgeformter Geſtalt und männlich ed⸗ lem Angeſicht, welchem, umvollendet ſchön genannt zu werden, nichts fehlte als die Farbe des Lebens; es war blaß, als ob noch nie ein Tropfen Blut durch dieſe Wangen pulſirt hätte. Von gleicher Todtenfarbe waren die feinen, langgegliederten Hände, die der Pa⸗ ter über dem ſchwarzen Talar auf der Bruſt zuſam⸗ mengelegt hatte und auf die er, wie um ſich nicht zu zerſtreuen, unbeweglich herniederſah; nur manchmal, wenn er ſich völlig unbemerkt glaubte, zuckte ein Feuer⸗ blick nach der Seite und verrieth, daß ſich in ihm mit der Unterwürfigkeit die Luſt und die Kraft zu gebie⸗ ten ſehr wohl zu vereinigen wußten.
„Wie ich Durchlaucht geſagt“, ſchloß, der Pater ſeine Rede,„wir Väter vom Orden Jeſu ſind jeder⸗ zeit bereit, dem Kaiſer zu geben, was des Kaiſers iſt; wir ſind immer und überall den Unterthanen mit gu⸗
tem Beiſpiel vorangegangen im Gehorſam gegen die Schmid, Concordia. I. 3


