Teil eines Werkes 
1. Band (1874)
Entstehung
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und wohlgefärbt, aber die Fülle deſſelben hatte angefangen, ſich in Falten zu legen, und das unter der Haube hervorſehende Haar konnte ſchon bald völ⸗ lig weiß genannt werden.

Obwohl in den Kleidern dem Paare ganz ähnlich, bot das Mädchen doch einen von ihm ſehr verſchiedenen Anblick dar. Ein kurzer Rock von geſtreiftem Woll⸗ zeug, darüber ein langſchößiges Kamiſol von dunklem Loden, eine helle Schürze und ein über Hals und Bruſt kreuzweiſe geſchlungenes Tüchelchen bildeten den ganzen Anzug. Die Geſtalt ſelbſt aber war von ſo ungeſuchter Anmuth und ſo liebreizenden Formen, daß ſie auch ohne die koſtbare, kleidſame Tracht der vor⸗ nehmen Stände aus jener Zeit eine Menge vornehmer und reicher Damen neben ſich verdunkelt hätte. Vol⸗ lends auf ihrem Angeſicht, als ſie es dem zürnenden Alten zuwandte und mit den mächtigen, dunklen Augen ihn halb verwundert, halb ſchalkhaft anſah, lag eine ſo ſanfte und unwiderſtehliche Kindlichkeit, daß es er⸗ klärlich war, wenn mitten im Fluſſe der zürnenden Rede Ton und Miene des Alten ſich milderten.

Es iſt ſchon ſpät, ſagte er wieder;komm

herein; das gehört ſich nicht, daß eine ſittſame Jung⸗

fer noch um dieſe Zeit im Garten herumſtreift! Aber ſo laßt mich doch, Vetter! ſagte das