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— dämpfen, um die paradieſiſche Ruhe des Gartens nicht zu ſtören, auf den es vom tiefblauen, wolkenloſen Nachthimmel herniederwehte und wallte wie Gruß und Botſchaft aus einem andern, nicht irdiſchen Paradieſe.
Mit einem Male ſchwebte ein weicher Klang durch die Stille, melodiſch wie der träumeriſche Geſang eines halberwachten Vogels; ein zweiter ſchloß ſich, erſt ſchüchtern, dann immer ſtärker werdend, in ſchmeicheln⸗ dem Wetteifer an: immer mehr Stimmen und Töne folgten, und zuletzt rauſchte eine kunſtvoll ausgeführte Symphonie feierlich aus dem Dunkel, weit vernehm⸗ lich und klar, wenn auch manchmal unterbrochen oder minder deutlich, als ob der Ton aus weiter Entfer⸗ nung verflattere und von einem verſchloſſenen Raume gedämpft werde. Die Muſik kam nicht vom Schloſſe her, deſſen Fenſter ſchwarz und lichtlos auf den Gar⸗ ten herniederſchauten und nur hier und da im Wider⸗ ſcheine des Mondes glitzerten.
Kaum waren die erſten Töne erklungen, als an einer dunklen Stelle des Gartens, wo die Gipfel eines kleinen Fichtenhains über hohe, geſchorene Taxuswände aufragten, ſich die Thür eines kleinen Hauſes öffnete, das, an die langgeſtreckten Gewächshäuſer angebaut, leicht die Wohnung eines Gärtners erkennen ließ. Eine ſchlanke Mädchengeſtalt huſchte aus der leichtgeöffneten
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