Erſtes Kapitel.
Sanet⸗Magdalenen⸗Kirchweih.
Weich und warm gleich einer Umarmung der Liebe lag die Julinacht über dem Garten des Luſtſchloſſes Nymphenburg. Regungslos, wie in tiefen Schlaf ver⸗ ſunken, ſtanden die ſchwarzen Gebüſche, lagen die dunk⸗ len Raſenflächen mit ihren Blumenrändern und die unabſehbaren Baumreihen drängten wie träumend ihre Kronen zu einem mächtigen Laubwald in einander. Nur hier und da ſchimmerten im Vollmondſchein die weiße beſandeten Wege aus dem Dunkel empor; aus den Büſchen tauchten weiße Marmorbilder als geiſter⸗
hafte Wachen auf, und über den Bauinwipfeln blitz⸗
ten die Strahlen der ſieben Springbrunnen, die ſich
mit dem Monde zu necken ſchienen, als wollten ſie ihn
heimlich erreichen und doch den Schall ihres Plätſcherns 1
Schmid, Concordia. I.


