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Rosa von Tannenburg : eine Geschichte des Alterthums für Aeltern und Kindern /erzählt von dem Verfasser der Genovesa
Entstehung
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117 knieten mit aufgehobenen Haͤndchen und einer Andacht vor dem Altare, daß man kleine Engel in ihnen zu erblicken glaubte.

Die Kapelle war mit gruͤnen Maien, der Altar mit fri⸗ ſchen Blumen geſchmuͤckt; reine Wachskerzen brannten und Weihrauchwolken ſtiegen empor.

Der ehrwuͤrdige Abt Norbert betrat mit Inful und Stab, und von mehreren Geiſtlichen im reichen Ornate umgehen, den Altar, wandte ſich zu der Verſammlung, bemerkte mit frommer Freude ihre andaͤchtige Stellung und Geberde, und hielt eine kleine Anrede, die ihrem weſentlichen Inhalte nach ſo lautete:

Geliebte im Herrn! Die Liebe guter Eltern zu ihrem Sohne, der aus einer großen Gefahr errettet wurdez. hie Liebe einer guten Tochter zu ihrem Vater, dem ſie hier an dieſem Orte ſehr viel Gutes that waren die Veranlaſſtinng⸗ daß dieſer vorhin fuͤrcherliche Ort in dieſe freundliche Kapelle umgeſchaffen wurde, und nur heute zur Anbetung Gottes zum dankbaren Andenken an Gottes Wohlthat, eingeweiht wird.

Die Geſchichte, die uns den heutigen Feſttag bereitete, beſtimmt auch den Inhalt meiner Feſtpredigt. Doch werde ich um die Beſcheidenheit einiger meiner verehrten Zu⸗ hoͤrer nicht zu beleidigen die Geſchichte nicht weiter be⸗ ruͤhren. Sie iſt allen hinreichend bekannt. Ich werde blos an einige Lehren erinnern, die ſich durch dieſe Geſchichte ſehr bewaͤhren; ich werde zumal ich mehrere verehrte Eltern mit ihren geliebten Kindern vor dem Altare verſam⸗ melt ſehe blos ein Wort an Eltern und ein Wort an Kindern vorbringen.

Es iſt eine ſchoͤne Anordnung Gottes, aus der ſeine Weisheit und Guͤte beſonders freundlich hervorleuchtet, daß er die liebenswuͤrdigſten und huͤlfsbeduͤrftigſten Geſchoͤpfe auf Erden, die Kinder, der Pflege liebender Eltern andertraute; daß er den Eltern eine ganz eigene Liebe zu den Kindern einen Funken ſeiner Alles umfaſſenden Liebe in das Herz ſegte; daß er ſeine erſten Wohlthaten, die den Menſchen