4
112 1 13
gefeſſelt auf einem Karren ſaß, und aus ſeiner Burg gefuͤhrt wurde, und Roſa jammernd und weinend ihm folgte. Der freundliche Empfang, den Kunerichs Gemahlin ſo ſchoͤn ver⸗ anſtaltet hatte, war fuͤr ihn deßhalb um ſo ruͤhrender. Er ſprach:„Bevor ich die Schwelle der Schloßpforte betrete, laßt uns in die Burgkapelle gehen! Gott hat alles, was geſchehen iſt, uns zum Beſten gelenkt. Er hat Trauer in Jubel verwandelt. Laßt uns Ihm ein herzliches„Herr Gott dich loben wir!“ darbringen.“ Alle Ritter und ihre Frauen gaben ihm Beifall und folgten ihm in die Kapelle...
Hierauf gieng man zur Tafel, die in dem großen Saale
bereitet ſtand, das Volk wurde in dem Schloßhofe bewirthet. Edelbert konnte es aber nicht erwarten, bis abgeſpeiſet war. Er gieng noch vor dem Ende der Mahlzeit hinunter in den Schloßhof, und war in Mitte ſeiner Unterthanen ſo vergnugt⸗ wie ein Vater unter ſeinen Kindern. Vor allen ſuchte er den ehrlichen Koͤhler Burkhard und deſſen gutes Weib auf.„Du alter, treuer Diener, ſprach er zu ihm, der du mit deiner frommen Hausfrau meine Qochter ſo freundlich in deine Woh⸗ nung aufgenommen haſt, du ſollſt nun vieſe meine Burg nicht mehr verlaſſen, und fuͤr immer hier wohnen. Ich mache dich hiemit zu meinem Stallmeiſter: ein Amt, auf, das du dich, da du von Jugend auf als Reiter dienteſt, wohl noch beſſer, als auf das Kohlenbrennen verſteheſt, und noch immer mit ritterlichem Anſtande zu Pferde zu ſitzen weißt. Deine gute Gertraud, die mich in meiner Gefangenſchaft mit Weißzeug verſah, ſoll von nun an Beſchließerin in meiner Burg ſeyn. Die gute Agnes aber, die meiner Dochter im Ungluͤck eine ſo treue Gefaͤhrtin war, ſoll nun im Gluͤcke ihre ſtete Ge⸗ ſellſchafterin ſeyn. Eine treuere Dienerin und Freundin kann ſie unmoͤglich finden.“.
Edelbert gieng hierauf bei allen Tiſchen herum, und re⸗ dete mit jedem der Gaͤſte. Jedem wußte er etwas Angeneh⸗ mes zu ſagen. Die Frau von Fichtenburg hatte, da ſie un⸗ moͤglich alle Unterthanen Edelberts einladen konnte, die aͤlte⸗ ſten Hausvaͤter mit ihren Kindern und Enkeln ausgeſucht⸗ ohne einen Unterſchied zwiſchen Reichen und Armen zu ma⸗
4 8
4 1


