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Rosa von Tannenburg : eine Geschichte des Alterthums für Aeltern und Kindern /erzählt von dem Verfasser der Genovesa
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goͤnnt er mir nicht. Noch einmal, wir muͤſſen ſcheiden! Hoͤre aber jetzt meinen Rath: Auf dich achtet wegen deines zarten Alters wohl niemand ſonderlich; ſuche alſo aus dem Schloſſe zu entkommen, damit du dein Leben nicht etwa gleich einer Sklavin in ſchmaͤhlicher Dienſtbarkeit zubringen muͤſſeſt. Ei⸗ ner oder der andere meiner Diener wird dir zur Flucht be⸗ huͤlflich ſeyn.

Dieſes Schloß und alles, was darin iſt, nimmt nun Kunerich in Beſitz. Du biſt jetzt aus einem Ritterfraͤulein ein ſehr, ſehr armes Maͤdchen geworden, aͤrmer als das ge⸗ ringſte Soͤldnermaͤdchen in meiner Herrſchaft. Doch, obwohl man dich jetzt, wie du gehſt und ſtehſt, aus deiner vaͤterlichen Wohnung verſtoͤßt, und du von deinem muͤtterlichen Erbe und dem reichen Schmucke deiner Mutter nicht eines Hellers Werth erhalten wirſt, ſo verzage darum nicht. Zeitliche Guͤ⸗ ter verdienen es nicht, daß wir uns uͤber ihren Verluſt be⸗ truͤben. Wir koͤnnen ſie nicht einmal mit Wahrheit unſer nennen. Du erfaͤhrſt es eben jetzt, wie leicht ſie uns koͤnnen genommen werden. Und behielten wir ſie auch die kurze Zeit unſers Lebens, ſo raubte ſie uns doch der Tod einſt alle gewiß. Es giebt noch edlere Schaͤtze, liebes Kind, die uns kein Schickſal und kein Tod rauben kann, gegen die Gold, Perlen und Edelſteine nichts ſind ich meyne Froͤmmigkeit, Fleiß, Keuſchheit, Sanftmuth. Dieſe und aͤhnliche Tugenden waren der groͤßte Reichthum und der ſchoͤnſte Schmuck deiner Mutter. Wenn dir nur dieſes Erbtheil deiner Mutter bleibt⸗ dann biſt du reich genug! 8

Haſt du dich aus der Burg gerettet, ſo ſuche unſern guten Kohlenbrenner, den ehrlichen Burkhard, auf. Er und ſein frommes Weib werden fuͤr dich ſorgen. Da kannſt du in ſtiller Verborgenheit leben, bis er dich auf der Burg eines meiner Freunde unterbringt. Und ſollteſt du auch Jahre lang bei ihm bleiben, ja dein ganzes Leben unter ſeinem nie⸗ drigen Dache zubringen muͤſſen, ſo laß es deinen Troſt ſeyn, daß man auch in einer Huͤtte und in einer Huͤtte oft noch leichter, als in einem Schloſſe zufrieden leben und ſelig keerben kann. Und das iſt am Ende doch das Beſte....

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