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Mathilde nahm ſich der Kranken, der Leidenden und Be⸗ braͤngten aller Art ſehr thaͤtig an. Einmal war in dem Dorfe⸗ unten am Berge, eine arme Tagwerkerin, die Mutter von ſieben unerzogenen Kindern, ſehr gefaͤhrlich krank geworden. Da war es der edeln Frau nicht zuviel, den hohen Schloßberg hinabzuſteigen, die arme Kranke unter dem niebrigen Stroh⸗ dach zu beſuchen, ſich nach ihren Umfaaͤnden zu erkundigen, alles Dienliche anzuordnen, und ihr, um ihr Muth zum Einnehmen zu machen, die Arznei wohl ſelbſt zu reichen. Sie wiederholte den Beſuch taͤglich, und Roſa mußte ſie be⸗ gleiten, damit ſie bei Zeiten mit dem menſchlichen Elende bekannt wuͤrde, und lernen moͤge, es Andern zu erleichtern, und auch ſich ſelbſt einmal um ſo leichter darein zu finden. Als Mathilde eines Dages wieder an das duͤrftige Kranken⸗ lager kam, und erklaͤrte, daß die Kranke nun außer Gefahr ſey, als ietzt alle ſieben Kinder, der bekümmerte Vater und ſelbſt die kranke Mutter in Freudenthraͤnen ausbrachen, als der Vater die Kinder ermahnte, der gnaͤdigen Frau, die der Mutter das Leben rettete, auf den Knien zu danken als er im Uebermaaße der Empfindung ſelbſt weinend auf die Knie niederfiel; als die Kinder die Hand und das Kleid ihrer Wohlthaͤterin kuͤßten— da ward Roſa ſo geruͤhrt, daß ſie ſelbſt mitweinte, ſich gluͤcklich ſchaͤtzte, eine ſo gute Mutter zu haben, und es in ihrem Herzen Gott heilig angelohle, in ihre Fußſtapfen zu treten.
Eine ſo gute Erziehung konnte nicht ohne gute Fruͤchte
bleiben. Roſa ward recht das Bild jener jungfraͤulichen Tug gend. Sie war die lautere Liebe gegen Gott, gegen ihre Aeltern, gegen alle Menſchen. Ihre Beſcheidenheit, ihre
Sittſamkeit, ihr ſanftes Weſen, ihr frommer, reiner Sinn
veredelte und verſchoͤnerte ihr Angeſicht. Einfach und rein, wie ihr Sinn, war ihre Klejdung von ſelbſt geſponnener und
ſelbſt gebleichter Leinwand iſg Paar blaue Kornblumen oder eine Roſenknoſpe zu deim blendendweißen Kleide, war ihr liebſter Schmuck. Allein ihre ſchuldloſen, freundlichen Au⸗
dn waren ſchöͤner blau 8 hi Jiurnbmmen⸗ und die 399.


