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Roth der aufbrechenden Roſenknoſpe. Wer ſie nur ſah, ſag⸗ te:„Roſa von Tannenburg iſt wohl das ſchoͤnſte Fraͤulein von ganz Schwaben; allein ibre Tugend macht ſie noch un⸗ endlich liebenswaͤrdiger, als ſie wegen ihrer Schoͤnheit es iſt.“
Zweytes Kapitel. Noſa verliert ihre Mutler.
Nc, daß die gute Roſa des Gluͤckes, eine ſo vortreffliche Mutter zu haben, nicht laͤnger genießen konnte! Roſa war etwa vierzehn Jahre alt— da wurde die Mutter ploͤtzlich ſehr krank. Sie fuͤhlte die Gefahr, und verhehlte ſie ihrer Toch⸗ ter nicht. Ritter Edelbert war zu Feld gezogen. Sie ſprach daher zu Roſa:„Liebſte Roſa, ſchicke doch ſogleich einen rei⸗ tenden Boten an deinen Vater. Ich moͤchte ihn in dieſer Welt noch einmal ſehen! und dann— laß den frommen Abt Norbert rufen! er hat mich getauft— und mich bei dem Eintrite in dieſes Leben Gott geweiht und geheiligt. Er wird mir bei dem Austritte aus dieſem Leben ſeinen Beiſtand nicht verſagen, mich ſanft hinuͤber zu geleiten in jenes beſſere Leben — hinuͤber, zu meinem Schoͤpfer und meinem Erloͤſer!— Es waͤre wohl zu ſpaͤt, fuhr ſie fort, wenn ich mich erſt jetzt auß den Tod vorbereiten wollte. Das ganze Erdenleben ſoll ja eine Vorbereitung auf jenes im Himmel ſeyn. Dazu ſind wir in der Welt. Indeß kann ein Menſch in dieſen wichtigen Augenblicken wohl nichts Beſſeres thun, als ſich Gott widmen, ſich nech einmal, auch wegen der kleinſten Fehler, mit ihm ausſoͤhnen, und ſich nach Anordnung der Kirche mit ihm hereinigen.“ Der fromme Abt, ein liebenswuͤrdiger, freund⸗
licher Greis, erſchien. Mathilde redete eine Zeitlang allein
nmit ihm. Sie empfieng aus ſeiner Hand das Brod des Le⸗ bens. Die Flamme ihrer Andacht ergriff auch das Herz der guten Roſa und milderte ren unausſorechlichen Schmerz. De hrwuͤrdige Abt betete der Kranken vor. Er ſprach mit einer Kraft, mit einer Uebezeugung von dem ewigen Leben,
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Mutter zu ſterben. 3„
daß Roſa von ganzem Kerzen wunſchte, ſogleich mit ihrer
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