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Rosa von Tannenburg : eine Geschichte des Alterthums für Aeltern und Kindern /erzählt von dem Verfasser der Genovesa
Entstehung
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Wie die Mutter darauf bedacht war, ihre kleine Roſa immer zu beſchaͤftigen, und, damit das Einfoͤrmige nicht er⸗ muͤde, ſehr weiſe mit den Beſchaͤftigungen abwechſelte ſo ließ ſie es ihr auch nicht an Erholung fehlen. Zwei oder reimal in der Woche durften einige arme, oder wohlgeſittete Maͤdchen von d Mola Alter auf Beſuch kommen, unter de⸗ nen ſich beſonders eines, Namens Agnes, durch Gutherzig⸗ keit auszeichnete. Roſa bewirthete allemal zuerſt ihre kleinen Freundinnen, dann ſpannen ſie eine Zeitlang, und machten hierauf in der Wohnſtube oder in dem Garten ein Spiel. Die Mutter hatte die Kinder, ohne daß dieſe es eben merk⸗ ten, immer im Auge, und hoͤrte alles, was ſie mit einan⸗ der redeten. Sie gab ihnen die Spiele an, und wußte ſelbſt das Spiel fuͤr ſie lehrreich zu machen. Auf dieſe und aͤhnli⸗ che Art erhielt ſie ihre Tochter was ſie fuͤr ein weſentliches Stuͤck einer guten Erziehung anſah immer heiter und froͤhlich. Roſa war immer ſeelenvergnuͤgt, und deßhalb zu jedem Geſchaͤfte williger und zu allem Guten aufgelegter.

Noch ganz vorzüͤglich war die weiſe Mutter darauf be⸗ dacht, daß die keimende Eitelkeit und die Liebe zum Putze für Noſa's Herz nicht verderblich werde. Eines Dages, da Roſa ſchon etwas mehr herangewachſen war, kam der Her⸗ zog nach Tannenburg, um ſeinen Freund Edelbert zu beſu⸗ chen. Mehrere Ritter und Rittersfrauen aus der umliegen⸗ den Gegend wurden eingeladen. Rofa mußte in einem ihrem Stande angemeſſenen Putze erſcheinen; ſie war in Seide ge⸗ kleidet, und mit Edelſteinen geſchmückt. Die fremden Herren und Frauen lobten die Schoͤnheit und den Putz des Fraͤu⸗ leins uͤber die Maaßen, und ſagten ihr viele Schmeicheleien, die Roſa nicht ungern vernahm. Als die vornehmen Gaͤſte fort waren, ſprach die Mutter zu Roſa:Die Worte, die dieſe Herrets und Frauen dir ſagten, haben mich recht betruͤbt! So wußten ſie denn nichts an dir zu loben, als dieſe glaͤn⸗ zenden Flittern, die dir nur angeheftet ſind, und die du jetzt wieder ablegſt! Dem Seidenweber und dem Steinſchleifer galten ihre Lobſpruͤche, nicht dir. Nur deine Geſtalt rühm⸗

ten ſie, die nicht dein Verdienſt iſt, deren Sch inhan bad