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Rosa von Tannenburg : eine Geschichte des Alterthums für Aeltern und Kindern /erzählt von dem Verfasser der Genovesa
Entstehung
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ihrer Arbeit ſaß, ſo mußte auch die kleine Noſa immer etwas zu thun haben.Der emſige Fleiß des Kindes nützt freilich noch nichts in der Haushaltung, ſagte dann wohl die Mutter, indem ſie dem Kinde mit Wohlgefallen zuſah; allein er hat fuͤr das Kind einen groͤßeren Nutzen. Er bewahrt es vor langer W und uͤbler Laune, und gewoͤhnt es früh an ein thaͤtiges Leben. Roſa lernte auch wirklich ſehr fruͤh zier lich ſpinnen, und bald wußte ſie auch die Naͤhnadel ſehr geſchickt zu fuͤhren. Sie verfertigte ſich, unrer Anleitung der Mutter, aus der ſelbſtgeſponnenen Lein vand ein Kleid und hatte darüͤber eine ganz ungemeine Freude. Der reiche Stoff, den ihr der Vater einſt von einem ſeiner Züge mitgebracht hatte,

freute ſie lange nicht ſo. Mathilde beſorgte, wie es damals⸗

Sitte war, die helle, glaͤnzende Kuͤche ſelbſt. Auch da wußte ſie fuͤr Roſa, von deren zarten Kindheit an, immer irgend ein kleines Geſchaͤft ausſindig zu machen und waͤre es auch nichts Weiteres geweſen, als Erbſen aus szuleſen, oder Bohnen abzufaͤden. Die angenehmſte Beſchaͤftigung aber fand die Mutter in dem ſchoͤn angelegten Schloßgarten; zu⸗ mal die Bewegung in der friſchen Luft ihrer Geſundheit ſehr wohl kam. Auch Roſa zeigte bald Luſt zur Gartenarbeit. Die Mutter wies ihr einige beſondere Gartenbeete an, und ließ ihr einen kleinen Rechen, eine niebliche Gießkanne und andere Gartengeraͤthe machen. Da gab es nun von den er⸗ ſten Fruͤhlingstagen an, in denen die lieblich⸗rothen Pfirſich⸗ blüthe hervorkam, bis im Herblie das Laub fiel, immer etwas für Roſa zu thun. Mit der freudigſten Emſigkeit legte ſie Geſaͤme ein, und ſetzte junge Pflaͤnzchen; ſie begoß die nuͤtz⸗ lichen Gewaͤchſe, und jaͤtete das keimende Unkrant aus; ſie haͤufelte um den jungen Kohl her die Erde auf, und band die emporrankenden Erbfenſtauden an Staͤbe. Als die erſten Gartenerbſen, die Roſa gezogen und gekocht hatte auf den Diſch kamen, hatte ſie kein geringes Vergnuͤgen; ſie glaubte, nie hab ihr eine Speiſe ſo wohl geſchmeckt.Das ſind die

ſüßen Fruͤchte des Fleißes, ſagte die Mutter. So belohnt 3 Gott den Fleiß im Kleinen und im Großen. Fleiß hat die ganze Gegend, die unſer Schloß umgiebt, aus einer Wild⸗

nis in einen reichen Garten umgeſchaffen.