225
zu deutlich erkannte er, daß es nicht an Umgebung und Geſellſchaft liege, wenn er die Zeit nicht hin⸗ zubringen wiſſe, denn leſen und denken und denken und leſen kann man nur bei ruhigem Gemüthe. Er geſtand ſich's langſam, es fehle ihm Liebe, und zwar Conſtantie.
Wohl denn, rief er aus, als er eines Abends wieder mißvergnügt und unruhvoll aus dem Palais des Grafen ſchritt, wohl denn: das Herz hat mich
gehindert, das Herz treibt mich jetzt, ich werd' ihm
ewig folgen.— Gleich als ob er einen großen Sieg errungen habe, als ob er von einer ſchweren Krank⸗ heit durch einen plötzlichen Himmelsſtrahl geneſen ſei,
ſchritt er über die Straße, um von der andern Seite
nach jenen letzten Fenſtern zu ſchauen, wie er alle
Abende gethan. Heut aber ſah er mit leuchtenden
Augen hinauf, und das Bild der trauernden Königin hatte ſich verwandelt, und er glaubte das ſchöne Weib ſchon in den Armen zu halten: Alles drängte ihn, ihr zu ſagen, was in ſeinem Herzen vorginge, ſogleich, im Augenblicke, keine lange Nacht des Zweifels und Harrens ſollte ſich dazwiſchen legen. Und während er noch ſann und dachte, wie das zu 10*


