224 Tag für Tag einſam in jenen hohen ſchweigſa⸗ men Zimmern ſaß, trat oft verſtohlen vor ſeine Seele. Er glaubte ſie in ſchwarzſeidnem Gewande mit aufgelöſ'tem Haare auf dem Fußteppich ſitzen zu ſehen, das blendende Weiß der Arme und des
Buſens ſah verwundert auf die traurige Farbe des
Kleides, und das Geſicht hatte den erſchütternden Ausdruck einer verlaſſ'nen Königin, die über Nacht von allen denen verrathen worden iſt, welche noch am Abende ihren Winken gehorchten.
Er ging ſpät nach Hauſe, denn der Ort, wo er ihr näher war, dünkte ihm doch noch beſſer, als ſein fernes einſames Zimmer; eine finſtre, ſchwei⸗ gende Nacht hing wie ein ſchwarzer Mantel in den Straßen. Die Fenſterreihe der Fürſtin, nach welcher er aufblickte, war ohne Licht, nur in den letzten Zimmern dämmerte eine ſchwache Helle. Lange blieb er ſtehen, vielleicht hoffte er, die Gardinen wür⸗ den ſich bewegen, und jene hohe Geſtalt würde ſich zeigen, aber er wußte es ſelbſt nicht, was er hoffte und ob er hoffte.—
Es kamen mehr ſolche Abende, und ſein Weſen wurde immer unruhiger und ungeduldiger, Nur


