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Sollte meines Lebens Retter, meiner Ehre Retter
vor mir knien, und vergebens bitten? So redete die Stimme, und mich umfloßen Geiſterſchauer. Da nahm ich die Roſe, und ich halte Wort, mein Retter! Soll ich dich nicht lieben, edler Graf, der
ſein Blut für mich hingab? Ewig will ich dich lie⸗
ben. Aber meine Treue und mein Herz hat Marſan. So ſtehe ich zwiſchen den beyden Männern, bey⸗ den verlobt, von dir mit Thaten und Blut erkauft, von Marſan mit unendlicher Liebe.
Welche menſchliche Hand kann dieſen Knoten löſen? Welcher Mund darf mich losſprechen von
dem doppelten Bande meiner Liebe und Eurer*. Mein Herz wäͤhlt ihn, meine Dankbarkeit waͤhlt den Retter meines Lebens, Euch! Zwiefach von Menſchen hierhin geriſſen, dorthin, fliehe ich, wo⸗ hin der ſchwankende Menſch fliehen ſoll, zu den Heiligen. Einen Augenblick lang ſchmückte dieſer goldene Kranz mein Haupt. Sie warf den Schleyer
ab und ſetzte den Kranz auf. Ich war Eure Braut,
edler Graf. Ich bin deine Geliebte, o theurer Ul⸗ rich. Jetzt entſage ich allem Irdiſchen der Welt, der Liebe, und fliehe zu Gott! Er möchte meinem
Herzen einen ſanften Kummer geben! Sie verhüll⸗
te ihr Haupt in den Schleyer, ſie drehete ſich um,
und rief: Mein Weg geht nach Valſanct. Mutter,
Ihr gebt mir das Geleite.
Da ſtand der Abt von Hauterive auf von ſei⸗
nen Sitz, und rief. Bleib Emma, und höre auch mich. Der Graf ſchwor ſeinem Vater nie einem
Madchen feine Hand zu geben, das nicht alle dieſe
Blumen. verdiente. Du haſt mit deiner frommen inſchuld die Lilie verdient, mit deiner Demuth
das Veilchen. Die Roſe nicht, hochwürdiger Abt?.
ſagte Emma leiſe.
Auch die Roſe, Emma von Montſalvans. Auch,


