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Lenardo und Blandine, oder Amandus und Amanda : Der Mündel : Die Blumen : Drey kleine Romane / von August Lafontaine
Entstehung
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den Kranz, du edles Maͤdchen. Rudolph von Grey⸗ erz, du theurer Sohn meines Buſen Freundes, du haſt deinen Schwur gehalten, haſt dein Wort ge⸗ löst. Ich ſpreche dich frey von deinem Gelübd! Ich ſpreche dich im Nahmen unſers gnaͤdigen Kaiſers mündig.] Ich übergebe dir heute das Glück dei⸗ ner Vaſallen, und dein eigenes Glück. Edler und ſeliger Menſch, zeige Emma und allen den Deinen dein Antlitz. Dann warf der Graf den goldenen Helm vom Haupte zu Boden, und er rief mit des Entzückens höchſter Wonne: Emma erkenne mich. Ich bin ja dein Rudolph. Ich bin ja dein ſeli⸗ ger Rudolph. Emma ſchrie auf und ſank in Ohn⸗ macht in des Geliebten Armen; denn Marſan war

der Graf, ihr Rudolph von Greyerz, und alle

ſchrien empor vor Freude und Rührung, und Schluchzen und frohes Rufen erfüllte den Saal, und der Graf fuͤhrte den wahren Marſan zu ihren Füßen, den Marſan, deſſen Nahmen der Graf ſo lange führte, weil Niemand in Uechtland ſie ſeit Jahren geſehen hatte. Und da drückte der Graf auf Emmas Haupt die goldenen Blumen, und führte ſie empor zum Fürſtenſtuhl. Da knieten die Ritter und Herren vor den Grafen und Emma, und ſchwo⸗ ren dem neuen Herrn die Lehns⸗Eide, und dann trat Emma, die noch immer den Grafen mit Nu⸗ dolph verwechſelte vor den Altar, und ihr Oh der Biſchof, gab den Liebenden den Segen der Kirche. 1

Ein reiches Geſchlecht ſproßte hervor aus der Liebe des Grafen und Emmas. Es blühet lang in der Liebe ſeiner Hirten, und der fürſtlichen Tu⸗ genden, und die dankbaren Enkel krönen den of⸗

fenen Helm noch jetzt mit einer Krone von Lilien, Veilchen, Roſen und Kornblumen, in Myrten

gemiſcht. Ende.