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Lenardo und Blandine, oder Amandus und Amanda : Der Mündel : Die Blumen : Drey kleine Romane / von August Lafontaine
Entstehung
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193 begleiten. Heil dem Grafen Rudolph, Heil dem Fraͤulein Emma! Da tönte das Thal von dem Ru⸗ fe: Heil! Heil!

Emma verbeugte ſich. Erlaubt, edler Karbieres, daß ich mich ſchmücke, wie mir's geziemt. Ein weißer Zelter wurde herbey geführt, und Emma ging nach Sankt Annen.

Die beſorgte Mutter fragte: Warum kommt der Graf nicht ſelbſt, und wirbt um meine Tochter? Er hat geworben mit den Blumen, mit ſeinem Blut. Ein Schwur am Sterbebette ſeines Vaters bindet ſeine Zunge. Stumm ſollte er werben mit

dem Helm auf dem Haupte, mit Thaten ſollte er

werben. Er meint, er habe ſeinen Schwur gehalten⸗

Emma kam zuruͤck, und alle erſtaunten. Auf dem Haupte trug ſie den ſchwarzen Nonnenſchleyer, den ſie vom Sankt Annen⸗Altar zurückgenommen. Auf der Bruſt hing ihr Kreuz, und an ihrem Her⸗ zen waren die drey Blumen, die Lilie, das Veil⸗ chen und die Roſe befeſtiget. Ein langes ſchwarzes Nonnengewand verhüllte die ſchönen Glieder. An ihrem Gürtel hing ein großer Roſenkranz. Ihre Fuße waren bloß.

Was iſt das, Fräͤulein? Iſt das der Schmuch einer Braut?

Der Schmuck, der mir gebührt. Geleitet mich, edler Kaͤrbieres! und ſie fing an, vorwaͤrts zu gehen. Unter dem Viſier rannten Rudolphs Thraͤnen; aber er ſprach nicht ein Wort

Laf. drey kl. Rom..