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Lenardo und Blandine, oder Amandus und Amanda : Der Mündel : Die Blumen : Drey kleine Romane / von August Lafontaine
Entstehung
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Emma! rief er. So hohle ich dich doch noch ein! o meine gerettete Emma!

Emma ſtieg ab, und ging an Rudolphs Hand weiter, das Auge niedergeſchlagen, ohne zu reden. Was biſt du ſo bleich? was zitterſt du ſo? Emma, geliebte Emma, ſo rede!

Sie ſchwieg noch immer, dann hob ſie die Hand, worin ſie die blutige Roſe trug, ſchnell wie in Zuckungen empor, und fragte: Kennſt du die Roſe? Ich nahm ſie, Rudolph! O, ich hatte Recht, eine Geiſterſtimme verkündigte mir ein dunkles Weh! O, ich ſagte dir ja, daß eine geheime Macht meine Hand nach ſeinen Blumen hebt! Ru⸗ dolph, ich nahm die Roſe? Weißt du, was ſie be⸗ deutet? Veruhige dich, Emma.

Die Blume der Liebe iſt es, ſo ſagte ein aus dem Grab Entſtandener, oder ein Geiſt, der mit ei⸗ nem grauen Haupte neben ihm ſtand. Ich nahm die Blume, Rudolph; ich that noch mehr! dieſe Arme, Rudolph, haben ihn umfangen Verſtehſt du mich? umfangen! vor allem Volk! Ich o hörſt du zu, Rudolph? Ich habe ihn an dieſe Bruſt gedrückt, mit der Liebe warmer Innigkeit. Da erſt both er mir dieſe Blume, da erſt, da alles Volk uns Heil rief. Da erſt! und ich nahm ſie.

Beruhige dich nur gute Emma. Er war dein Retter; deine Dankbarkeit.

Nein, nein! er war mehr. Er hielt mir die Blume hin. Ich nahm ſie nicht, obwohl o Ru⸗

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