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Emma: Fraͤulein von Montſalvans, es iſt die
Blume der Liebe; es iſt unſer und Euer Lehnsherr, der ſie Euch biethet. Aber das Herz iſt frey. Aber er hat Euer Leben. Er hat Eure Ehre gerettet! Er
hat Euch mit ſeinem edlen Blute erkauft. Euer
Retter ſoll vergebens vor Euch knien? Vor ſeinem Heer, vor ſeinen Vaſallen, vor ſeinen edlen Rit⸗ tern wollt Ihr ſein Haupt mit Schmach bedecken? Wie? Die Gerettete, aus den Händen der Schmach gerettete Jungfrau—
Da zuckte Emmas Hand, ſie nahm die Roſe, auf deren Blaͤttern noch Tropfen ſeines edlen Blu⸗ tes hingen. Sie hielt die blutige Roſe mit ſtarrem Arm zum Himmel, ihr Blut war erſtarrt, ihr Ge⸗ ſicht weiß wie Marmor. Der Graf beugte ſich tief. Dann erhob er ſich. Seine Vaſallen mit ihm. Heil dem edlen Paar! rief alles, wie der Graf das Ge⸗ wölbe verließ.
Die Erde ſchwankte unter Emmas Füßen, das Licht wurde ihrem Auge zur Mitternacht. Sie ſank an den Buſen des alten Karbieres, in der tödtlichen
Erſtarrung, noch immer die Blume empor hebend.
Sie wurde an die freye Luft getragen. Da ſah ſie, wie der Graf das Thal verließ. Der Morgen dä⸗ merte erſt hervor. Man legte ſie auf ein Ruhebett, und ſo trugen ſie Krieger aus Montſalvans die Hö⸗ hen hinab und herauf der Burg zu. Im Thale be⸗ gegnete ihnen Marſan, der ihnen zuvorgeeilt war.
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