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Lenardo und Blandine, oder Amandus und Amanda : Der Mündel : Die Blumen : Drey kleine Romane / von August Lafontaine
Entstehung
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170 4 die Bruſt, und da ihre Mutter fragte, ob auch ſie den edlen Mann liebte, da verhüllte ſie ihr Auge in Thraͤnen, und die glühende Wange in ihren Schleyer, und antwortete nicht. Sie bethete zu Sanct⸗Annen, und da legte ſie den ſchwarzen Schleyer der Heiligen zu Füßen. In ihrem Buſen erhob ſich die Ruhe des Himmels und das Entzü⸗ cken der erſten Liebe. Ja, du Heilige! rief ſie be⸗ thend: ich liebe ihn! Und als ſie ſich umdrehte, kniete hinter ihr Rudolph. Er hatte ihr Gebeth, er

hatte das Wort der Liebe gehört.

Aber er ehrte der Jungfrau ihr zartes Gefühl, die ihm ſogar verbergen wollte, daß ſie den Non⸗ nenſchleyer nicht mehr trug. Er redete nicht von Liebe, nicht von Hoffnung mit ihr. Nur ſein Sai⸗ tenſpiel ſang ſeine Entzückungen, und ihre Stille 1 Sehnſucht. Ihre Seele öffnete ſich ihm in ſchö⸗

nem Vertauen, aber ihr Herz verhüllte noch im⸗ mer die ſchönen Flammen der Liebe. Ihre Haͤnde berührten ſich nur, wenn ſie nebeneinander hergin⸗ gen, ihre Lippen nicht. Nur in Traͤumen ſah die erröthende Jungfrau ſich als Hausfrau an der Bruſt des geliebten Mannes. An einem Morgen ſtand

Emma auf dem Balcone, und ſchaute weit hinaus ins Thal und dann ſeitwaͤrts mit lächelndem, ſehn⸗ ſüchtigem Blicke nach der Burg Marſan, und nach dem Pfade, der zu ihr ins Thal führte; da, horch! hörte ſie aus weiter Ferne die leiſen Töne der Horſt⸗ hörner dann und wann, die jetzt, wie das Thal ſich