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Lenardo und Blandine, oder Amandus und Amanda : Der Mündel : Die Blumen : Drey kleine Romane / von August Lafontaine
Entstehung
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168 Ich kann ihn entbehren. Ihr ſeyd vom Rudolph. Vergebt edle Frau, arm nicht. Ich bin nur

nicht reich. Was der genügſame Menſch begehren

darf, iſt mein. Mein Gut, was mich naͤhrt. Hohe

Mauern hat meine Burg nicht, nicht Gold; aber

Unterthanen, die mich lieben werden, weil ich gütig

bin; ehren, weil ich gerecht bin. Ich bin frey wie

der Graf. In meinem Saal hängen Kriegsbeute, und Ehrenzeichen, die ich in Schlachten er⸗ warb. Mein Vater war arm und mit Frau und

Kind glücklich. Gott gebe mir ſein Loos. Die Mutter

ſeufzte. Er dachte an den alten Glanz ihres väͤter⸗

lichen Hauſes, an Emma, an die Zukunft, an ihre jetzige Armuth. Aber Emma erhob ihr ſchönes

Auge; denn ihr ſchien Rudolph jetzt der reichſte Rit⸗

ter im Gebirge. Rudolph fuhr fort mit niederge⸗

ſchlagenen Augen und weicher Stimme ſein Para⸗ dies auszumahlen, das er im Arme einer geliebten

Hausfrau zu finden hoffte. Ich habe heute, ſetzte

er hinzu, zu Sanct⸗Annen andaͤchtig um nichts ge⸗

bethet, als um dieſes höchſte Glück des Lebens.

Dieſe Worte mit ſeiner bewegten Stimme er⸗

reegten Emma's Herz wunderſam. Sie beſchloß in

reiner Unſchuld für ihn zu bethen, daß er es finden möchte. Aber ſie erröthete nicht. Aber bald erröthete ſie, denn des Mannes

Edelmuth, ſeine Güte, ſein unbezwinglicher Muth,

womit er ſeine Hirten gegen den wilden Uebermuth