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thete ſie vor Beſchämung, daß des Jünglings ſchoͤ⸗ nes Haupt in ihrem Schooße geruhet. Sie wurde unruhig, daß ſein funkelndes Auge ſie ſo lange be⸗ trachtet, und welche ſchöne Worte die klingende be⸗ wegte Stimme ihr geſagt.
Sie vertrauete ihrer Mutter die erſte Unruhe ihrer ſtillen, reinen Seele, und ſorgte eifrig, ob
ſie Recht gethan haͤtte? Die Mutter drückte ſie lä⸗
chelnd an ihre Bruſt, und nannte ſie ihre unſchul⸗ dige Emma.
Nach drey Tagen beſuchte Rudolph die Burg Mont⸗Salvens, und Emma's Mutter bewun⸗ derte ihn in der einfachen Kleidung eines Landman⸗ nes. Emma ſah nicht, wie er gekleidet war; ſeine Geſtalt haͤtte ihr nicht erhabener geſchienen, und hätte ein Fürſtenmantel ſie bedeckt. Das edle Ge⸗ ſicht, die ſtolze Stirn, die fruchtloſe Ruhe des Blicks gab ſeiner Kleidung Würde. Emma nahm wenig Theil am Geſprach, ſie achtete ämſig auf
ihre Spindel; aber ſeine Stimme, und alle ſeine
Worte drangen mit leiſer Gewalt in ihre Seele.
Ich dachte Euch in Ritterſchmuck wieder zu ſe⸗ hen, Rudolph, ſagte die Mutter. Wir hoͤrten, Ihr waͤret in des Grafen Gefolge, und ſein Freund. „ Ich war es, des Grafen Buſenfreund. Uns enrzweyte ein Wortwechſel, den Neid und Ver⸗ läumdung vergifteten. Wir trennten uns. Er hat mich vergeſſen; die Macht findet Freunde und Schmeichler. 3


