— 163— reden durfte, als in der Verſammlung ſeiner Man⸗ nen vor dem Altare. Die Töͤchter der Edlen wünſch⸗ ten, das ſchöne Mahrchen möchte wahr ſeyn; denn das Gericht, wie ſchön es ſey, wie unſchuldig ſelbſt, wie treu, wie muthig, ſo, daß er alle ſeine Blumen ſelbſt verdiente, kam aus Wallis über as Gebirg, mit jedem, der in Sitten geweſen war. Ach, es traumten mehr Maͤdchen als Emma von den Blumen, die ihnen der Graf reichte; aber der Graf war in Meyland, dann in Rom, und das Blu⸗
menmährchen war faſt vergeſſen.
In Emma's Bruſt hatte es der Kloſterſchleyer ſchon langſt ausgelöſcht, ehe die Hand der Liebe es that. Sie wallfahrtete zwey Mahl die Woche nach der Capelle der heiligen Anna, die in einem Felſen gehauen war, in einem Thale, durch das der Pfad nach Wallis lief. Die Heilige war begabt aus ihrer Mutter Burg und aus Marſan, dem Gütchen ei⸗ nes freyen Lehnsmannes des Grafen.
Emmaging eines Tages in klöſterlicher Klei⸗
dung, den ſchleyer über dem ſchönen Haupte, und
das Kreutz auf der Bruſt zum Gebeth zu der Ca⸗ pelle; da hörte ſie eine Stimme angſtlich Heife
rufen. Sie eilte ſchneller, und ſie ſah einen Mann
mit einem Juüͤngling beſchaͤftigt, der am Boden lag. Blut ſtrömte aus ſeiner Schulter hervor. Der Jüngling hatte den naͤhern Pfad über die Fel⸗ ſen geſucht. Er war herabgeſtürzt, verwundet, und ſchien ohnmachtig zu ſeyn.


