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Lenardo und Blandine, oder Amandus und Amanda : Der Mündel : Die Blumen : Drey kleine Romane / von August Lafontaine
Entstehung
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heiligſte Jungfrau, wer in ſelbſt Mutter, und du nennſt ſie Mutrer wenn du zu ihr betheſt. Liebe iſt die Pflcht einer Kloſterfrau; aber, Emma, faſt ſcheints mir, als liebte eine Mutter feuriger und uneigennutziger! Das bedenke! Und haſt du nicht oft geträumt, Emma, Graf Rudolpy reichte dir ſeine Blumen?

Emma lächelte lieblich; aber ſie drückte die Hand auf das Kreutz, das auf ihrem Hergen hing, und auf das Herz, das dem ſchönen Traum wiederhohlte.

Graf Rudolph von Greyerz herrſchte weit im Gebirg in alter Fuͤrſtenmacht ſeiner Ahnen, ge⸗ liebt von dem Hirtenvolk, und hoch geehrt von ſei⸗

nen Rittern und freyen Dienſtmannen; obgleich ſie ihn jetzt nicht kannten, denn er wurde nach dem Willen ſeines verſtorbenen Vaters von ſeinem Ohm⸗ dem Biſchof von Sitten in Wallis, erzogen; aber der Ruf pries ihn als den muthigſten und edelſten Mann im Gebirge. In Meyland hatte er ſanftere Sitten gelernt, unter dem Heere des tapferen Gra⸗ fen Peter von Savoyen hatte er mit großen Thaten den Ritterſchlag erworben. Bald war er mündig, ſo lange regierte das Land der Abt von Hauterive ein heiliger Mann, und der Buſenfreund ſeines Vaters. 4 1

Das Volk harrte mit Ungeduld des Tages, an dem der junge Graf, von ſeinen Vaſallen und Dienſt⸗ mannen umgeben, den Stuhl ſeines edlen Vaters beſteigen würde; aber noch ungeduldiger war jeder

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