— 39.—
Nach drey Tagen reiste Blande mit ihren Ver⸗ wandten nach der Reſidenz ab, ohne ihren Lehrer geſprochen, ohne Amandensruh noch einmahl geſe⸗ hen zu haben.
Im erſten Nachtquartier hörte ſie auf einmahl ihres theuren Lehrers Flöte die Melodie von einem Liede auf Amanden blaſen. Sie flog an's affne Fenſter. Sie ſah ihn unter einer Weide ſtehen. Er winkte ihr. Sie kam herab. Er ſteckte ihr einen Zettel zu, und verſchwand. Sie las: Sey ruhig, Blande. Ich bin dein Beſchützer. Jeder, der dir das Wort: Amanda! leiſe zufliſtert, iſt ein Bothe von mir, dem du trauen kannſt. In der Reſidenz wird eine Frau dir den Nahmen nennen. Folge ihr! In ihrem Hauſe iſt Sicherheit für dich. Denk an Heinrich, wie treu er dich in ſeinem Herzen trägt; trage ihn treu in deinem Herzen, Blande! Dein treuer Vater.
Sie ſteckte den lieben Brief in ihren Buſen. Die Thranen, die bis jetzt in ihren Augen gehan⸗ gen hatten, vertrockneten. Sie kam mit entzückten Blicken zu ihren Reiſegefäahrtinnen zurück. Die Thörinnen glaubten, es ſey die Freude auf die Re⸗ ſidenz, wovon ſie erzaͤhlt hatten.
Auch war Blande nur ein paar Tage in der Reſidenz, und mit ihrer Verwandtinn in einem öffentlichen Garten, wo ſie die ſchöne Welt ver⸗ ſammlet ſehen ſollte, als ſich chr im Gedränge nach dem Saal eine Frau naͤherte, ihre Hand verſtohlen
———— 85———


