— 29—
Nach einer Viertelſtunde kam Heinrich nach. Sie redeten nicht wieder von dem Ringe. Aber viel er⸗ mahnte ihn der Vater über die Welt, in die er nun treten ſollte; über die Anwendung der Zeit, über die Ehre des Mannes, über die Schuldloſig⸗ keit des Herzens, über die Reinheit der Sitten, über den Umgang der Menſchen.
Heinrich verſprach ſeinem Freunde, ihm Alles, Alles zu ſchreiben, was ſeinem Herzen merkwürdig ſeyn würde.
In der naͤchſten Stadt ließ Heinrich ſich kleiden. Schnell ſchrieb ihm einige Empfehlungsbriefe, leerte ſein Geld in ſeine Börſe aus, drückte ihn noch einmahl an ſein Herz, ſagte Amanda! und verließ ihn. er kehrte ins Gebirge zu Blanden zurück.
Er hatte Blanden die Stunde ſeiner Rückkehr beſtimmt. Sie erwartete ihn auf der Höhe, wo ſie den Weg uberſehen konnte. Sie flog in ſeine Arme, und ließ ſich von ihm Heinrichs Abſchied erzählen. Jede Thräne, die ſie vergoß, war eine Thräne des Schmerzens und der Freude. Der Caſtellan hatte jetzt gar nichts mehr dagegen, daß Blande oft den ganzen Tag bey dem Klausner zubrachte, und Abends erſt ſpät zurückkam. Denn je näher man den Ei⸗ genſinn kennen lernte, deſto größer wurde die Ge⸗ wißheit, er ſey ein reicher Mann, vielleicht ein ſehr reicher Mann, und daß die Nahmen Heinrich und Blandine einmahl in ſeinem Teſtament ſtehen würden, war noch viel gewiſſer. Denn er liebte


