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Lenardo und Blandine, oder Amandus und Amanda : Der Mündel : Die Blumen : Drey kleine Romane / von August Lafontaine
Entstehung
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Heinrich ſetzt Blanden ins Gras; denn er muß hin⸗ ter dem Ziegen⸗Lamm drein, das den Felſen hin⸗ auf geklettert iſt. Erſt erzürnt ihn das Thier mit ſeiner Wudheit, dann verführt es Heinrichen dazu, und er und Blandine klettern und ſpringen mit dem frohen Thiere um die Wette.

Bravo! ruft ſogar der finſtre Klausner, bey der vergrößerten Thätigkeit der kleinen Schule. Denn die Ziege, ein guter Lehrer, zieht den Kna⸗ ben und Blanden von der Höhe in das Thal, von dem Thal weiter auf eine andre Höhe. Blanden, da⸗ mit ſie wild werde, wie der Knabe, hat die Mutter mit einem pädagogiſchen Kunſtgriff an eine Blu⸗ menkette gelegt. Die rothen Schuhe dürfen nicht ſchmutzig, die weiße Schürze nicht zerriſſen und der kleine Strohhut nicht zerzauſt werden. Sie geht alſo langſamer hinter her, ſchaut vorſichtig, wohin ſie den Fuß ſetzt, und bebt die zarte Schürze mit der Hand empor, während Heinrich, der wie ein Knabe, und eines armen Pfarrers Sohn, nichts mehr zu zerreißen hat, wild durch Dorn und Ge⸗ ſtein rennt, und von oben zurückkehrt, Blanden vorſichtig nachzuhohlen. Und gab die Caſtellaninn oben das Zeichen mit dem Gongon aus dem ſineſi⸗ ſchen Häuschen zur Rückkehr, ſo, denn der mor⸗

gende Spaziergang hing daran, ſo beſah er erſt vorſichtig Blandens Schuhe, Schürze und Hut!

kühlte mit friſchem Waſſer aus dem Bache Blan⸗ dens erhitzte Wangen, und dann trieb er die kleine 4