19
Bitterkeit, unter denen dieſe Augen tiefer eingeſunken, dieſe Wangen flacher, dieſe Lippen ſchmäler und ſchär⸗ fer geworden waren.
Das Kleid ſaß nicht überall. Die Fürſtin war magerer geworden. Seufzend kniete Narinka nieder und ſtrich hier eine Falte zurecht, ſetzte dort eine Hafte zurück. Endlich war Fürſtin Leopolda mit ihrer Er⸗ ſcheinung zufrieden und auch die ſchwarzen Locken um⸗ gaben in glänzender Ordnung den edelgeformten Kopf.
Fürſtin Leopolda lächelte. Narinka ſeufzte.
„Geh!“ ſagte die Fürſtin.
Die Dienerin ging.
Die Fürſtin warf ſich auf eine Ottomane und blieb dort eine Weile regungslos, halbaufgerichtet und wartete
Das Zimmer, in dem ſie ſich befand, bot einen ſeltſamen Anblick. Rings an den Wänden liefen breite gepolſterte Bänke, ein ſchwellendes Polſter von kreis⸗ runder Form nahm die Mitte deſſelben ein. In der Mitte des Polſters ragte ein Blumenhalter empor, ein Immortellenkranz lag darauf.
Fürſtin Leopolda ſprang empor.
„Verzeih', Anna!“ ſagte ſie leiſe, nahm den Im⸗ mortellenkranz weg und ſteckte ein Bouquet indiſcher
Roſen, das am Fenſter ſtand, an ſeine Stelle. 2*


