meine Schweſter keine Ruhe im Grabe hat; ſie ſoll Ruhe finden. Hole das Kleid, ich befehle Dir's.“
Mit geſenktem Haupte ging die Dienerin.
„Schwachköpfe!“ murmelte Leopolda.„Schwarze finſtere Trauer wollen ſie. Roth heißen ſie die Farbe der Liebe, der Freude. Aber roth iſt der Haß, die Rache! Ich fühle es, wie das Blut brennend durch meine Adern tobt. Blutrothe Rache lodert in mir! Nur Rache? Nein, es iſt nichts Anderes als der Haß. Ich werde ihn vernichten. Du ſollſt in Deinem Grabe Ruhe fin⸗ den, Schweſter!“
Narinka brachte das Kleid. Die Fürſtin hatte es an dem Tage fertigen laſſen, da ſie der Liebe Sta⸗ nowsky's verſichert war. Sie hatte es nie getragen.
Die ſchwarze Hülle der Trauer ſank von ihren blendenden Schultern, deren Schönheit der Gram und Haß von Monaten nicht zu zerſtören vermocht hatten, und mit ſtummer Reſignation kleidete Narinka ihre Herrin in das Gewand der Pracht und der Freude. Mit einem ſeltſamen Lächeln ſah die Fürſtin über ihre Schulter in den Spiegel. Wenn ihr Antlitz den Aus⸗ druck jener kecken Lebensluſt verloren hatte, der es einſt ſo reizend gemacht, ſo mußte man doch geſtehen, daß ihre energiſchen Züge in ihrer wilden Schönheit noch charakteriſtiſcer wurden durch den Schmerz und die
———————


