Teil eines Werkes 
2. AbtheilungDer rothe Fasching : Roman aus Frankreichs jüngster Vergangenheit : 1. Band (1872)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

in meiner Nähe geſehen, Staroſch! Du trugſt ein an⸗ deres Gewand als dieſes und hatteſt den Anſchein, mich zu beobachten. Ich kenne Dein Geſicht, Du warſt es, Staroſch!

Ein treuer Diener hat kein Gedächtniß, Herr. Frage meine Herrin. Die Wege der Sehnſucht ſind viel⸗ fach und verſchlungen.

Ueber Stanowsky's bleiches Geſicht flog ein glü⸗ hender Schatten.

Deine Herrin haßt mich.

Hat man Sehnſucht nach denen, die man haßt?

Vielleicht Sehnſucht, ſie zu verderben.

Das Verderben in ſolchen Armen hat keine Schrecken, Herr!

Stanowsky ſprang auf..

Was weißt Du davon, Sklave? Geh und ſage, ich würde kommen.

Den Mund halb offen, daß die weißen ſtarken Zähne blitzten, lauſchte Leopolda.

So war's. Biſt Du zufrieden, Herrin?

Leopolda löſte eine Börſe vom Gürtel ihres Trauer⸗ kleides und warf ſie dem Diener zu.

Ich bin zufrieden, geh!

Staroſch ſtand unbeweglich, die Börſe fiel mit dumpfem Klirren auf den dicken Smyrnateppich.