Teil eines Werkes 
2. Theil (1864)
Entstehung
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Meinen Dank, ſagte Conrad,ich will's Dir wett machen. Am andern Tage theilte Stanislas ſeinem Freunde mit, daß die

Gräfin Batory und ihre ältere Tochter auf ſeinen Befehl über die Grenze

gebracht worden. Der Graf Batory aber war in einem Gefechte vor we⸗ nigen Tagen gefallen.

Von dieſer ganzen Familie, ſagte Stanislas,bleibt uns alſo nur Julia!

Conrad bebte zuſammen.

15. Tod und Glück.

Es war eine düſtere Nacht. Zwölfhundert junge Leute campirten in einer Entfernung von ungefähr zwei Meilen von Wilna, am Saum eines Waldes. Sie waren ſämmtlich ſchön, ſtark, kräftig und gut bewaffnet. Der Mann, der ſie befehligte, nannte ſich Stanislas Tarnow, und unter ihm commandirte Conrad von Waſa.

Ein aus Baumzweigen errichteter Altar, deſſen Baſis der ſtarke Stamm einer Eiche bildete, ſtand im Hintergrunde einer von dichtem Gebüſch um⸗ gebenen Lichtung.

Harzfackeln, deren rothe Flammen durch die Nacht flackerten, beleuch⸗ teten die Scene. Hinter dem Altar erhob ſich ein Kreuz von Holz, ein kürzlich ſtattgehabtes Begräbniß bezeichnend.

Wer liegt denn dort begraben? fragte ein erſt am geſtrigen Abend angekommener junger Mann einen Offizier.

Wenn Du geleſen hätteſt, Freund, antwortete ihm dieſer,ſo wür⸗ deſt Du geſehen haben, daß auf jenem Kreuz zwei Namen ſtehen: Beatrix und Biruta.

Beide Opfer der Erhebung der Nation?

Ja, mittelbar. Die Erſte ſtarb an den Folgen einer entſetzlichen Strafe und mit einem Herzen, das der Tod des geliebten Bräutigams ge⸗ brochen; die Zweite ſank bei der Nachricht von einem großen Unglück wie vom Blitz getroffen um und war todt.

Wer war denn jene Biruta? fragte der junge Mann.

Der Offizier warf einen unruhevollen Blick um ſich her.

Jene Biruta, ſagte er,war die Gemablin des Fürſten Orlanoff, der ſich einen Namen in der Regierung gemacht hat, und die Mutter des