Teil eines Werkes 
2. Theil (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

400

jungen Fürſten Orlanoff, der vor einem Monat in einem Ierenhauſe Mos⸗ kaus geſtorben iſt.

Wie kam es denn, daß ſie unter uns war?

Höre, und wenn Du mich zwiſchen heut und ein paar Tagen nicht mehr ſiehſt, ſo erzähle Anderen, was ich Dir jetzt ſagen werde.

Zu welchem Zweck?

Du wirſt ſchon ſehen. Biruta war die Tochter des Grafen Kra⸗ ſinski; eines Tages oder vielmehr in einer Nacht wurde ſie von dem Fürſten Orlanoff entführt; er ſchloß ſie in eines ſeiner Schlöſſer ein und liebte ſie zum Sterben.

Ich habe dunkel davon reden hören

Biruta verabſcheute den Fürſten, und da ſie nichts ſo ſehr wünſchte, als zu fliehen, ſo gelang es ihr, zwei Männer für ſich zu gewinnen, zwei Ruſſen, die ihr heimlich aus dem Schloſſe forthalfen.

Ach!

Dieſe beiden Männer jedoch, Rivalen, die Beide um Biruta's Liebe warben, machten vergebliche Anſtrengungen, um das zu erreichen, was der Fürſt Orlanoff nicht erreicht hatte. Es gelang ihnen beiden nicht; da ſperrte ſie eines Tages der Eine in ein dunkles Zimmer ein und beging eine unwürdige Handlung. Als das Verbrechen verübt war, rühmte er ſich deſſen gegen ſeinen Nebenbuhler, und dieſer, da er ſich nicht aus dem Felde ſchlagen laſſen wollte, beging, ſeiner Leidenſchaft ſo ſehr wie ſeiner Eitelkeit gehorchend, dieſelbe Schändlichkeit.

O das iſt ja entſetzlich!

Nicht wahr? Die unglückliche Dame hatte ſich hrer Rechtſchaf⸗ fenheit anvertraut. Sie hatte keine Stütze, keinen Schutz; ſie lebte vierzehn Tage bei dieſen beiden Ungeheuern, bis zu einem gewiſſen Abend, wo ſie, Beide trunken, ihr Opfer mit Würfeln ausſpielten und es verloren.

Biruta war jung und ſchön; der Mann, der ſie gewonnen hatte, be⸗ trachtete ſie als ſeine Beute und führte ſie mit ſich, wie jene beiden Ruſſen gethan hatten.

Der Abſcheuliche!

Auch er war trunken an jenem Abend verdammen wir ihn nicht. Ein ganzes Leben lang hat er ſein Verbrechen geſühnt. An Händen und Füßen gebunden, hat er ſich der Dame ausgeliefert, die er beſchimpft hatte. Eines Tages legte er auf den Knieen vor ihr den Eid ab, den Tod nur aus ihrer Hand empfangen zu wollen und ihr bis zur letzten Stunde ſeines Lebens mit ſeiner ganzen Familie zur Verfügung zu ſtehen. Vor wenigen Tagen iſt er geſtorben, und erſt in der letzten Stunde hat ihm ſein Opfer verziehen.

Ich erzähle Dir das, fuhr der Offizier fort,weil ich dem Tode ent⸗