—
397
„Waren Sie nicht dem Tode verfallen?“
„Ich war es.“
„Und ſind Sie nicht hier in voller Sicherheit?“
„Und Ihnen, Eleonora, verdanke ich mein Leben?“
„Zweifeln Sie an meiner Ergebenheit?“
„O verzeihen Sie mir,“ ſagte Conrad,„wenn ich daran zweifle, ſo ge⸗ ſchieht es, weil ich nie etwas gethan habe, um ſie zu verdienen.“
„Was wollen Sie damit ſagen, Fürſt?“
„Ich habe mich der bereits beſchloſſenen Verbindung mit Ihnen entzogen.“
„Nicht Sie haben das gethan,“ ſagte Eleonora Batory mit großer. Ruhe,„ſondern die Umſtände.“
Conrad ſchlug voll Erſtaunen den Blick zu der jungen Dame auf.
„Ich weiß Alles!“ ſetzte ſie mit bedeutſamem Lächeln hinzu.
„Alles?“
„Ja, meine Mutter hat mir Alles erzählt.“
„Aber was denn?“ fragte Conrad mit wachſendem Erſtaunen.
„Ihre Liebe zu Ihrem Vaterlande.“
„Nun?“
„Und Ihre Mitgliedſchaft in einer geheimen Geſellſchaft.“
„Niemals bin ich—“
„Sie mußten kämpfen, und Sie haben gekämpft; jetzt, wo Sie der Sache, die Sie für die gute hielten, Ihre Schuld abgetragen, haben Sie wohl das Recht, an Ihrem Lebensglücke zu arbeiten.“
„Ich verſtehe Sie nicht!“ ſagte Conrad.
„Und es iſt doch ſo einfach, meine Mutter iſt endlich durch Ihre Be⸗ ſtändigkeit gerührt worden und willigt in unſre Verbindung.“
„Unſre Verbindung?“
„Ja— hören Sie— es nahen Schritte, ſie iſt es.— In einer Stunde gehören wir einander an, Fürſt.“ 1
Conrad wußte nicht, was er ſagen ſollte. Er war beſtürzt, über⸗ rumpelt.
Als er den Blick erhob, ſtand die Gräfin Batory vor ihm.
„Gnädige Frau,“ ſagte er,„wollen Sie mir gütigſt ſowohl meine An⸗ weſenheit an dieſem Orte als auch das, was ich hier ſo eben erfahre, er⸗ klären?“
„Sie ſind hier, Fürſt,“ antwortete die Gräfin,„weil Mouravieff Sie mir geſchenkt hat. Sie waren zum Tode verurtheilt, er hat Sie verkauft, und ich habe Sie gekanft.“
Conrad rief ein bedauerndes Lächeln auf ſeine Lippen.
„Fürchten Sie ſich nicht,“ ſagte die Gräfin,„ich laſſe Sie nicht hän⸗ gen, ich verheirathe Sie nur.“


