387
„Iſt meine Juſtiz nicht ſicher genug?“
„Sie iſt zu ſicher.“
„Ich verſtehe Sie nicht, General.“
„Der, den ich reclamire, iſt ſo reich, wie es ein König von Polen ſein würde. Zwanzigfacher Millionair, hat ihm die letzte Revolution unermeß⸗ liche Reichthümer eingebracht; wir confisciren, das iſt wahr, aber die Be⸗ ſitzer dieſer unermeßlichen Schätze haben dieſe, weil ſie die Confiscation vorausſehen, verſteckt.“
„Und darum wollen Sie— 2
„Ihm einen Erben geben, ehe er ſtirbt; er wird ſich leicht finden.“
„Unter den Polen?“—
„Ja.“
„Wir wollen keinen Polen.“
„Wir brauchen nur einen Erben, der uns mit Leib und Seele ergeben iſt.“
„General,“ ſagte Mouravieff, ſich verbeugend,„ich beſitze vielleicht mehr Kühnheit als Sie, aber Sie übertreffen mich an Schlauheit.“
„Sie belieben zu ſchmeicheln.“
„Und wer iſt dieſer glückliche Erbe?“
„Eine Erbin!“
„Ah!“¹
„Sie heißt—“
„Nun?“
„Leonora Batory.“
„Die Tochter des Grafen Batory, der uns ſchon ſo viel Böſes zuge⸗ fügt hat?“
„Nein, die Tochter der Gräfin Batory, der polniſchen Spionin, die den Intereſſen Rußlands ergeben iſt.“
„Wahrhaftig, General, Sie ſind ein Diplomat.“
„Geben Sie Befehl, General, daß Conrad von Waſa mir ausgeliefert und nach Warſchau unter ſicherer Bedeckung geführt werde.“
„Sogleich— aber, ſind Sie auch überzeugt, daß der junge Fürſt die ſchöne Leonora lieben und ihr freiwillig ſein Vermögen geben wird?“
„Gewiß!
„Schön; dieſe Comödie fängt an, mich zu intereſſiren.“
Nach einigen Minuten befand ſich Conrad von Waſa, mit gebundenen Händen und durch eine Koſaken⸗Abtheilung bewacht, auf dem Wege nach Warſchau; wenige Schritte hinter ihm folgte General von Berg.
Mouravieff, welcher ohne Zweifel die Zeit und den Gefangenen, welche er verloren hatte, bedauerte, beſchloß, den Reſt der Nacht würdig zu verleben.
Er trat an das Fenſter, die Gefangenen wurden aufgerufen. Sie waren vollzählig.
25* 25


