Teil eines Werkes 
2. Theil (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

388

Die Nacht war dunkel, ein ſchneidender Nordwind wehete, er hüllte ſich in ſeinen Mantel, er fror.

Ein Schreckensſchrei ſtieg zum Himmel auf. Beatrix, bleich und vor Schmerz und Froſt zitternd, erhob ſich mit gefalteten Händen das Beil des Henkers beſchrieb in der Luft ſeinen ſchrecklichen Bogen Beatrix ſtieß einen Verzweiflungsſchrei aus das Haupt Van Elldorff's rollte am Boden zu ihren Füßen!

Kaum war es gefallen, da ſchrie Mouravieff, bleich und mit verzerrtem Geſicht:

Haltet ein!

Mouravieff, ſagte eine tiefe, ruhige Stimme;Mouravieff, Van Elldorf iſt todt, Du haſt Deinen Sohn ermordet!

Tarnow ſtand vor ihm, das Billet der Fürſtin Orlanoff in der Hand.

13. Bie Damen von Wilna.

Mouravieff nahm eine Feder und ſchrieb auf die Rückſeite des Billets der Fürſtin Orlanoff: Er iſt todt, dann gab er es Tarnow zurück. Gehen Sie, ſagte er zu ihm;geben Sie dies der Fürſtin. Wenn die Nachricht, welche Sie ihr überbringen, ſie betrübt, wird ſie ſte nicht ſo ſehr betrüben, wenn ſie daran denkt, was ich leide. Der Vater iſt der Mörder des Sohnes. ¹ Hier giebt es keine Mörder, ſagte er, indem er den Kopf erhob, ſondern nur einen treuen Diener des Kaiſers, der bis auf den letzten Buch⸗ ſtaben das erfüllt, was er geſchworen hat; ich bin ein Ruſſe, der ſich ſeinem Vaterland mit Gut und Blut geweihet hat und es gegen die Räuber ver⸗ theidigt. Aber er ²0 Welcher Menſch begegnet nicht Schwierigkeiten auf ſeinem Wege und wer iſt jetzt nicht Märtyrer. Meine Juſtiz ſtraft, wo ſie glaubt, ſtrafen zu müſſen, die menſchliche Gerechtigkeit irrt ſich manchmal, ſie kann fehlen Van Elldorf war Pole. Sie wollen ſagen, er hielt ſich für einen Polen. Er war es von ganzem Herzen. 5 Wohl, dann bedaure ich nicht, daß mich die Vorſehung auserkoren

hat, ihn von der Welt zu entfernen. Trauriges Beiſpiel des größten Fanatismus! murmelte Tarnow.