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ſchäftigte Leben; namentlich die Verringerung der Dienſtzeit, von 25 auf 15 Jahre, und die Veränderung in der Behandlung der Soldaten machen alle andern Bedingungen Denen, welche in das Heer treten, unbeſchwerlich.
„Eine große Anzahl zum Militairdienſt deſignirter Perſonen, welche augenblicklich abweſend waren, den Tag der Rekrutirung nicht kannten, oder aus anderen Gründen nicht in ihren Wohnungen angetroffen wurden, haben ſich freiwillig der Behörde geſtellt.
„Am Morgen nach der Aushebung meldeten ſich allein neunundvierzig Individuen.
„Auch an Freiwilligen fehlte es nicht.
„Repreſſiv⸗Maßregeln, welche in Warſchau durch die Civil⸗ und Militair⸗ Behörden, für den Fall einer Unordnung, vorbereitet waren, ſind nirgends zur Anwendung gekommen.
„Die Haltung der Polizeimannſchaften war vortrefflich, und das ſo befriedigende Reſultat dieſer wichtigen Operation in der Hauptſtadt läßt hoffen, daß die Rekrutirung auch in derſelben Weiſe in den Provinzen aus⸗ geführt werden wird, und daß auch dort die Bemühungen der Anarchiſten, Aufſtände hervorzurufen, ohne Erfolg bleiben werden.“
Ganz Warſchau war auf den Beinen, als man dieſes Blatt las— Thränen der Wuth floſſen und ein einziger Schrei der Verzweiflung ging durch die ganze Stadt.
Man ſah, daß es noch nicht genug der Gemeinheit war. Ganz Europa ſollte noch hören, daß das polniſche Volk freiwillig die Sclavenketten ver⸗ langte! Es habe ſich nicht allein feſſeln laſſen, ohne Widerſtand zu leiſten, es habe ſich nicht nur die ruſſiſche Livree anziehen laſſen, nein, es ſegne ſogar noch die Größe und Herrlichkeit des Czaaren, es wünſchte ſich Glück zu der Knechtſchaft, in die man es ſchlug!
Einige eifrige und hingebende Patrioten hätten ſich beklagt; dies wäre jedoch nicht die Meinung der Mehrheit der Nation, die Anſicht der Maſſe des Volkes.
Warſchau erhob ſich beſtürzt, im innerſten Herzen verwundet und ſchwor,
den Tod der Schande vorzuziehen.
Das überfüllte Maß war übergelaufen.
Seit der Nacht des zwanzigſten Januar verſchwanden eine Anzahl jun⸗ ger Leute und bildeten Banden;— in den Kirchen— merkwürdiges Schau⸗ ſpiel!— beteten knieende Frauen, dann traten junge Männer ein, und gin⸗ gen auf die Altäre zu;— dort knieten auch ſie nieder und baten den Prie⸗ ſter um ſeinen Segen;— dann gingen ſie hinaus und verließen Warſchau.
In den Schlöſſern, in den Hütten, umarmten junge Männer ihre Müt⸗ ter und Väter und entfernten ſich.
Wo gingen ſie hin?
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