Teil eines Werkes 
2. Theil (1864)
Entstehung
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Ihr, die ihr die Opfer dieſer Aushebung ſeid, das Land begleitet euch mit ſeinen Gebeten und ſeinen Wünſchen, ihr werdet euer Vaterland nicht verleugnen, ihr werdet im Gegentheil das Gefühl eurer Nationalität tief in eurem Herzen bewahren, und wo ihr auch hingehen mögt, werdet ihr der Sache Polens zu dienen wiſſen.

Das Land fordert dieſes Opfer von euch, das größte, welches ihr ihm bringen könntet. 8

Allerdings iſt es ſchön, durch eine glänzende That der Kühnheit und Hingebung die Märtyrerpalme zu erringen, doch ſchwerer und ruhmvoller iſt es, fern vom Vaterlande ein Leben beſtändig ſich erneuernder Opfer zu führen, ohne die Vaterlandsliebe erſchlaffen zu laſſen; dies iſt es, was das Land von euch verlangt.

Ihr laſſet Mütter, Schweſtern, Gattinnen, die zu frühzeitiger Wittwen⸗ ſchaft verdammt ſind, Kinder, welche durch eure Entfernung zu Waiſen geworden, hinter euch zurück! Sorget nicht um dieſe Theuern, das Land nimmt ſie unter ſeinen Schutz! Eure Kinder werden fortan die der Nation ſein und von ihr erzogen werden, wie ihr ſelbſt ſie erzogen haben würdet: in der Liebe zum Vaterlande und zur Freiheit!

Es gilt, Blut zu vergießen, das Dach ſeines Hauſes der Flamme dar⸗ zubieten, mit dem Leben Aller, die uns theuer ſind, zu ſpielen und die eigne Bruſt den Kugeln des Feindes entgegenzuſtellen.

Was war zu thun?

Man hatte nicht Zeit gehabt, ſich zu zählen, die eigene Stärke kennen zu lernen, man beugte das Haupt und wartete. 4

Aber am 19. Januar erhob ſich ein Schrei der Entrüſtung, r wie ein verworrener Lärm, und erfüllte ganz Polen.

Jetzt war das Land am Herzen verwundet.

Ein ruſſiſches Organ ſagte:

Die Rekrutirung iſt in Warſchau mit vollkommenſter Ruye und Ord⸗ nung vor ſich gegangen, man iſt nicht dem geringſten Widerſtand begegnet und ſeit dreißig Jahren haben noch nie die Rekruten ſo viel Eifer und guten Willen bewieſen.

Jetzt zeigen die Rekruten, welche einſtweilen in dem Rathhauſe und in der Citadelle von Warſchau untergebracht ſind, die größte Ordnung und ſelbſt Heiterkeit.

Viele unter ihnen haben ſich über die Machinationen der Revolutions⸗ partei und die Häupter dieſer Partei beklagt, welche ſie von einer rechtlichen Arbeit in den Müßiggang, in chimäriſche Hoffnungen geworfen und ſie da⸗ mit des einzigen Mittels, ſich redlich ernähren zu können, beraubt haben.

Viele haben ihre Freude über den Geiſt der Ordnung, welcher im Militairdienſt herrſcht, ausgedrückt; ſie ſind froh über das vergnügte, unbe⸗