Teil eines Werkes 
2. Theil (1864)
Entstehung
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Doch blieb ihm zur Ausführung dieſes Entſchluſſes keine Zeit übrig. Tadeus zeigte ſich in der Oeffnung der zertrümmerten kleinen Pforte und ſtürzte ſich auf den Sergeanten.

Jetzt ſtehen wir, Mann gegen Mann, einander gegenüber.

Chriſtian, dem es gelungen war, ſeine Feſſeln zu zerreißen, erſchien von der andern Seite.

Gnade, Gnade! rief der Sergeant,Ihr müßt mindeſtens Vierzig ſein.

Vierzig? rief Tadeus,ſieh dorthin!

Ein kleines, auf den Hof blickendes Fenſter ſtand geöffnet und das ſtrahlende Geſicht Beatrixs erſchien. Auf ihrer Stirn thronte Freude und ihre Augen glänzten in ungewöhnlichem Feuer. 4

Seht dorthin! wiederholte Tadeus.

Neben dem jungen Mädchen lagen ſieben entladene Piſtolen; von ſieben hatten ſechs getroffen.

Was wollt Ihr mit mir machen? rief der Sergeant, deſſen verzerrtes Geſicht die heftigſte Furcht ausdrückte.

Das wird ſich finden! erwiderte Tadeus.

2. Die Inſurrertion.

Der zwanzigſte Januar erſchien..

Vor fünf Tagen hatte die Rekrutirung ſtattgefunden; ſeit fünf Tagen waren Tauſende junger Leute in die Citadelle von Warſchau und in alle Feſtungen Rußlands eingeſperrt; ſeit fünf Tagen zog man ſie, die Hände auf den Rücken gebunden, den Körper von Knutenhieben zerfleiſcht, durch die Steppen umher, welche ſich nach Oſten hin in unermeßliche Ferne ver⸗ lieren. Die Einen waren Regimentern einverleibt worden, die Andern hatte man nach Sibirien geſchickt; Rußland triumphirte.

Es war kaum ein ſchwacher Widerſtand verſucht worden, dieſes muthige, wachſame Volk hatte ſich ohne Gegewehr feſſeln, fortſchleppen, mißhandeln laſſen. Es war den Stimmen der Greiſe gefolgt, welche geſagt hatten:

Man hat euch in die Armee eingereiht, nicht unter euer wahres Banner, ſondern unter dasjenige Rußlands; wir hatten gehofft, daß die Befreiung des Landes vorhergehen und dieſe neue Rekrutirung verhindern würde. Gott hat dies nicht gewollt, an uns iſt es nicht, zu klagen, ſondern daran zu arbeiten, daß dieſe Conſcription die letzte ſei.

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