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des Säbels ſondirte man die Wandverſchläge; diejenigen, welche hohl tönten und demnach verdächtig erſchienen, wurden mit Kolbenſchlägen zerſchmettert.
Nach einer erfolgloſen Durchſuchung der erſten Etage gelangte man zum Dachboden. Der Sergeant that gewiſſenhaft ſeine Schuldigkeit; aber auch in den Bodenkammern wurde Niemand gefunden.
„Wahrhaftig,“ ſagte der Sergeant verzweifelnd,„der Vogel iſt davon⸗ geflogen!“
Während er dieſe Worte ſprach, richtete er den Blick auf eine Luke des Daches; hier machte er die Wahrnehmung, daß der das Dach bedeckende Schnee die Eindrücke menſchlicher Füße trug.
„Was iſt das?“ rief er.„Beim Kuckuk, der Schelm iſt ſchlau! Er hat ſich über die Dachrinnen hinweg ſchleichen wollen, Kameraden, wir wollen ihm auf einem andern Wege nachſpüren, und wir werden ihn finden, folgt mir!“
Und die Soldaten ſtiegen hinunter.
Einige Augenblicke ſpäter erſchütterte ein heftiger Schlag die Thür des Nachbarhauſes.
Eine alte Frau öffnete in heftiger Beſtürzung.
„Mein Gott, was giebt es denn?“ fragte ſie, ſich bekreuzend, als ſie den Sergeanten erblickte, der ſich ohne Umſtände durch die halbgeöffnete Thür in den Hausflur drängte.
„Das wird man Dir ſogleich ſagen; zuerſt aber wollen wir Dein Neſt durchſuchen, doch ſei unbeſorgt, man wird nichts beſchädigen.“
Die Soldaten folgten dem Unteroffizier in das Haus.
Eine matte, rauchende Lampe erleuchtete ein erbärmliches Zimmer; ein Kohlenfeuer glimmte verlöſchend auf dem Heerde.
Der Sergeant ergriff raſch die Hand der vor Furcht halb todten Frau.
„Du wirſt uns ſagen, alte Hexe, wo Du den Menſchen, den wir ſuchen, verborgen haſt; wir wiſſen, daß er hier iſt!“ ſprach der Soldat, indem er den Arm der Unglücklichen ſchüttelte, die ſchon den Mund öffnete, um zu antworten.„Wir wiſſen, daß er hier iſt, ſprich!“
„Möge mich Gott ſtrafen,“ ſagte die Alte, auf einen alten Stuhl fal⸗ lend,„wenn ich weiß, was Sie meinen. Ich wohne ganz allein ſeit zwan⸗ zig Jahren in dieſem nämlichen Hauſe; aber ſehen Sie zu, ſuchen Sie, die Hütte iſt nicht groß, Sie werden bald fertig ſein.“
Der Soldat ließ den Arm der Frau los, inſpicirte mit einem Blick das Zimmer und ſetzte, raſch die wackelige Treppe hinaufkletternd, oben ſeine Nachforſchungen fort. Zwei Minuten nachher kam er zurück.
„Vorwärts, Ihr Andern!“ ſagte er,„der Lump iſt ein muthiger Teu⸗ fel. Dies Haus hat keine Nachbarn, die Fenſter oben gehen nach dem Fluß hinaus. Wenn er den Sprung da hinein gewagt hat, wird es ihm jetzt wohl nicht warm um den Kopf ſein.“


