Teil eines Werkes 
3. Theil (1864)
Entstehung
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Kennen Sie ſeinen Inhalt?

Wie ſollt ich? Die Fürſtin war verſchwiegen wie das Grab, in das ſie bald danach ſtieg. Ich aber habe aufbewahrt das Teſtament wie ein Heiligthum und wiſſen Sie, junger Freund, weswegen ich Ihnen das Alles ſage?

Ich weiß es nicht, aber es erregt meine vollſte Theilnahme.

Nun ſehen Sie: Weil Conrad Waſa Sie zu mir ſchickt, ſo weiß ich, Sie ſind ſicher und ich kann mich Ihnen anvertrauen, und weil Sie ſind gekommen als von Roſenheim, Sohn und Compagnie, ſo weiß ich, Sie ſind klug. Die Ruſſen haben mich in Frieden gelaſſen, ſeitdem ſie bei mir Hausſuchung gehalten haben und nichts gefunden, aber wer ſteht mir da⸗ für, daß ſie nicht wieder kommen und binden den alten Abraham und ſchlep⸗ pen ihn nach Sibirien. Ich aber habe Angſt um den Brief an Hedwig Tarnow, als wäre ſie mein leiblich Kind, denn meine Aufpaſſer bei der Polizei haben mir geſagt, daß Mouravieff hat laut gelacht, als er geleſen den Brief, und wenn der lacht, ſo iſt es ein böſes Zeichen und bedeutet Un⸗ glück. Nun habe ich bisher keinem Menſchen nur ein Wort geſagt vom Teſtament der Fürſtin Orlanoff und wo ich es habe verborgen, jetzt aber drängt es mich, daß ich es einem zuverläſſigen Manne mittheile, damit, wenn ich nicht mehr vorhanden bin, das Teſtament in die richtigen Hände kommt.

Sie können feſt auf mich bauen; mir ſelber liegt das Schickſal Tar⸗ now's am Herzen und Conrad Waſa hat ſich meine vollſte Bewunderung erworben.

Das Teſtament enthält wohl ſchwerlich Beſtimmungen über Geldver⸗ hältniſſe. Biruta Krafinska hatte kein Vermögen, als ſie ſich verheirathete mit dem Fürſten Orlanoff, denn was ihr Vater beſaß, war von den Ruſſen confiscirt; darum fiel Alles, was ſie hinterließ, den Verwandten ihres Man⸗ nes zu. Sie aber ſagte zu mir, Abraham, ſagte ſie, über den Tod hinaus dauert meine Rache nicht, wohl aber meine Liebe. Ich habe nur einen Menſchen glühend heiß geliebt, Du weißt wohl, wen ich meine, und ich wußte es auch, es war Stanislas Tarnow. Nun, ſagte ſie weiter, kann aber aus dem Samen meines Haſſes blutige Frucht entſtehen für die, welche nicht ſchuldig ſind an meinen Leiden und das will ich verhindern. Darum, wenn Julia Waſa oder Hedwig Tarnow, die ich wie meine Töch⸗

ter anſehe, Gefahren drohen, ſo gieb Du ihnen dieſen Brief, er enthält Alles, was ihnen über mich, über den Grafen Batory und über ſie ſelbſt zu wiſſen noth thut. Und ich nahm den Brief und bewahrte ihn wie ein an⸗ vertrautes Pfand; als aber vorgeſtern ſind gekommen die Ruſſen und haben zum guten Glücke und dem Gott unſerer Väter ſei es tauſend Mal ge⸗ dankt, nicht gefunden den Brief, da hab ich zu mir ſelbſt geſprochen: Abra⸗