Teil eines Werkes 
3. Theil (1864)
Entstehung
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Ich darf alſo den Fürſten beruhigen?

In ſo weit, ja, und die Schuld liegt nicht an mir, wenn die Ruſſen noch einmal kommen und die Banknoten finden. Wäre der Graf Adrian ſo klug geweſen, wie Sie, ſo wäre Alles gut geblieben.

Worin beſtand ſeine Schuld?

Daß er iſt gereiſt mit falſchem Paß und echten Viſitenkarten, daß er gekommen iſt in mein Haus am Sabbath, wo ein Jude keinen Gaſt hin⸗ ausweiſt und iſt vor den Leuten aufgetreten als ein Graf und hat ſein Portemonnaie mit ſeinem Wappen im Rock ſtecken laſſen.

Das iſt unvorſichtig, allein Adrian kennt die Verhältniſſe nicht.

Dann iſt geweſen in ſeinem Reiſeſack ein Brief an Hedwig Tarnow und die Ruſſen haben ſich gefreut und Mouravieff hat laut gelacht, als er ihn las.

Ein Brief an Hedwig Tarnow von wem mag der geweſen ſein?

Ich denk von der Gräfin Eleonore in Paris, denn das Batoryſche Wappen war auf dem Siegel.

Was ſollte Eleonore Hedwig zu ſchreiben haben?

Das weiß ich nicht, aber beſchwören kann ich, daß ſie nicht iſt werth zu fein ihre Schweſter.

Sie irren, Julia Waſa iſt Eleonorens Schweſter.

Ganz recht, ganz recht; ich bin ein alter Mann und mein Gedächt⸗ niß verirrt ſich. Was aber auch Eleonore Batory oder ihre Mutter geſchrie⸗ ben haben mögen, es kann nur Unheil über Hedwig bringen.

Und das droht ihr noch von anderer Seite.

Ich habe ſie gekannt, ſeit ſie geweſen iſt ein ganz kleines Kind. Da⸗ mals lebte ſie bei dem Bauern Demko und wuchs auf wie eine Blume auf dem Felde. Da kam die Fürſtin Orlanoff und ſagte mir, Abraham, ſagte ſie, heut Nachmittag habe ich ein Rendezvous in Deinem Hauſe. Mein Haus iſt zu Ihrem Befehl, gnädigſte Frau, ſagte ich und wirklich, am Nachmittag kam der Bauer mit dem Kinde und die Fürſtin trug das kleine Mädchen in ein anderes Zimmer und wie mir nachher meine Frau ſagte, hat ſie es entkleidet und wieder angezogen und geküßt und dann geſagt: Dir, Kind, gilt meine Rache nicht.

Seltſam, höchſt ſeltſam.

Ja, es war eine große Frau, die Fürſtin Orlanoff, groß in ihrer Lei⸗ denſchaft und groß in ihrer Liebe für das Vaterland. Als ihr Sohn ge⸗ ſtorben war und Julia den Fürſten und Hedwig den Grafen Tarnow hei⸗ rathete, da kam ſie eines Abends zu mir und ſagte, Abraham, um das Ge⸗ heimniß meines Lebens wiſſen nur zwei Menſchen, Du und noch Einer, aber der Eine weiß nur das falſche, und iſt wohl längſt ſchon todt, Du allein kennſt das Richtige. Darauf gab ſie mir ihr Teſtament.