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Freunde die Hand bietend,„vielleicht hilft uns die heilige Jungfrau auch aus dieſer.“
„Weiß ich nur meine Hedwig erſt in Sicherheit, ſo fürchte ich nichts mehr!“ verſetzte Tarnow.
„Das eben wollte ich ſagen!“ begann Julia.„Da es ganz gleichgül⸗ tig iſt, wohin die Flucht ſich wendet, denn überall umgeben uns gleiche Ge⸗ fahren, ſo laßt uns nach Wrosno gehen und Hedwig beſuchen; wir finden dort, was wir am nöthigſten gebrauchen, Charpie und Medizin.“
„Auch ich bin dafür, zu Hedwig zu gehen,“ bemerkte Conrad,„doch nicht um der Pflege willen. Dieſer Arm heilt, wie ich fürchte, nicht ſo ſchnell, und Hedwig's Zuſtand bedarf der zarten Schonung, wie ſie in den jetzigen traurigen Verhältniſſen nicht möglich iſt. Wrosno liegt nicht allzu⸗ weit von der Grenze und ich achte es nicht für Schmach, wenn wir unſere Wunden auf fremdem Boden heilen.“
„Du haſt recht,“ antwortete Stanislas,„ganz recht um Deinet⸗ wie um Hedwigs willen. So führe denn mein theures Weib nach Deutſchland oder nach der Schweiz und mich laß hier, um die Zerſtreuten zu ſammeln und abermals gegen die Feinde zu führen.“
„Du ſelbſt biſt verwundet, Stanislas,“ ſagte Julia,„und Hedwig wird nicht ohne Dich das Land verlaſſen;— was ſollte ſie auch da, wo die ſich dem Lichte erſchließenden Augen ihres Kindes weder ein Vaterland noch einen Vater ſähen?“—
„Julia ſpricht wahr,“ beſtätigte Conrad;„wir Alle müſſen fort von hier und Ruhe und Geneſung finden; aber jetzt von hinnen, meine Lieben, ehe der dämmernde Tag unſere Reiſe allzu gefährlich macht.“—
Sie nahmen von ihren Uniformen die Abzeichen, die ſie ſchnell verra⸗
then haben würden und machten ſich auf den Weg.
Ein Jeder war mit Dolchen und Piſtolen verſehen, doch erubredete man, daß nur im Falle der äußerſten Noth ein Schuß gethan werden dürfe.
Bis zum Sonnenaufgang begegnete ihnen kein Feind, nur todte und verwundete wimmernde Landsleute trafen ſie in Menge und entſetzlich war es ihnen, an ſolchen Leidenden vorüber gehen zu müſſen, ohne ihnen Linde⸗ rung und Hülfe bringen zu können.
Mit großen Schwierigkeiten hatten ſie zu kämpfen, denn da Niemand von ihnen genau den Weg kannte, ſo folgten ſie allein der Richtung, die der Stand der aufgehenden Sonne ihnen zeigte.
Conrad Waſa, bei dem kaltfeuchten Morgennebel vom Wundfieber ge⸗ ſchüttelt, Stanislas Tarnow, der ſeine Streifwunde am Bein immer ſchmerzlicher empfand, Julia, der nur die geiſtige Kraft und grenzenlofe Liebe zu ihrem Gatten die Ausdauer verlieh— alle Drei ſahen mit tiefer Beſorgniß dem neuen Tage entgegen.
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