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Es wußte Niemand eine Antwort auf dieſe Frage. Fliehen oder in die Hände der Ruſſen fallen, das war die ſchreckliche Wahl, die hier, die ſogleich getroffen werden mußte.
Aber fliehen, und die Verwundeten den Feinden überlaſſen——
Oder weiter kämpfen und dem Henkerbeil der Ruſſen verfallen, ohne dennoch die Freunde retten zu können—
„Ich würde für das Letztere, als für das Ehrenvollere ſtimmen,“ ſagte Conrad Waſa,„aber ſeht, ob ein ſolcher Führer Euch nützen kann.“
Und den Dolman zurückſchlagend zeigte er ſeinen rechten Arm, den eine Kugel zerſchmettert hatte. Seit zwei Stunden focht der heldenmüthige Fürſt unter namenloſen Schmerzen mit der linken Hand. Julia ſtieß einen lauten Schrei bei dieſem Anblick aus.
„Wir müſſen nicht uns allein, wir müſſen die Mannſchaft befragen!“ meinte Stanislas.
„Gut, zähle ſie und höre ihre Meinung.“
Stanislas ging zu den Lagernden und ſtellte den Verſtändigſten unter ihnen die Lage der Dinge vor.
„Oberſt,“ ſagte ein älterer Krieger, der manch einen blutigen Kampf, doch keinen ſo ſchrecklichen wie dieſen geſehen hatte,„Oberſt, heute Nacht iſt Keiner von uns noch fähig, nur einen Schuß zu thun, und wenn wir bis morgen keine Nahrung haben, nehmen uns die Ruſſen ſo ſicher, wie die Katze die Maus. Aus ſolch einer Falle aber rettet ſich der Einzelne leichter als ein Haufen, mag er auch noch ſo klein ſein. Löſen Sie darum das Corps auf; wir finden uns an anderem Orte glücklicher wieder zu⸗ ſammen.
„Wie viele ſind wir noch?“
„Wir waren achtzehntauſend; hier mögen etwa elfhundert liegen. Möglich, daß Andere im Walde zerſtreut ſind— jedenfalls ſind es nicht genug, um ſo zahlreichen Feinden noch einmal gegenüber zu treten.
„Der Fürſt iſt verwundet und unfähig, das Commando weiter zu führen; ich ſelber habe einen Säbelhieb in der Schulter und einen Streifſchuß am Bein— und doch— wie iſt es ſchwer, die gute Sache aufzugeben, ſo lange noch ein Tropfen Blut im Herzen pulſirt.—
„Der Fürſt und Sie, Oberſt, haben viel für Polen gethan, viel und genug. Gehen Sie nach ſolchen Opfern, Geſundheit und neue Kraft zu gewinnen.“
„Doch die Leute, ſollen ſie ohne Führer bleiben?“
„Laſſen Sie je zehn Maun unter einem Gefreiten ihren Weg ſuchen; bei Taczanowski treffen wir uns Alle wieder.“
„Und die Verwundeten?“ „Schleppen ſich zum nächſten Dorf und finden freundliche Aufnahme Phantom Polens. III. Band. 4 2 42


