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„Brüder, lieber ſterben, als ruſſiſche Gefangenſchaft!“ rief Waſa, und heldenkühn voranſprengend, ſein treues Weib an einer, ſeinen Freund an der anderen Seite, ſtürzte er auf die Fande los, wie Winkelried der Freiheit eine Gaſſe bahnend.
Vor ihm ſtürzten ſechs Feinde, von ſechs Piſtolenſchüſſen durchbohrt, und über ihre zuckenden Leichen ging es hinweg, die tapferen Freiheits⸗ kämpfer hinterdrein.
Zu beiden Seiten fielen die Feinde wie Aehren auf dem Felde, durch das die Sichel mäht, und furchtbar wüthete hier die Sichel des Todesengels, der ſeine Beute mit kalten Armen umfing.
Und jetzt waren ſie durchgebrochen durch die dichten Feindesmaſſen, die erſchrocken ſtanden und ſtarrten und dieſen Heldenmuth nicht faſſen konnten. Doch plötzlich machten beide Parteien wieder Kehrt und ſtanden Antlitz an b Antlitz einander gegenüber.
Den Wald als Wall und Schutzwehr benutzend, zog Waſa ſich mit den Seinen in das dichteſte Dunkel zurück, Schritt vor Schritt wichen die
Tapferen, immer ſchießend, immer fechtend, eine Flucht, die muthiger war, als der kühnſte Angriff. Hinter jedem Baume hervor knallte ein Schuß und traf ſein Ziel, und der tapfere Schütze ging ladend dem nächſten Stamme zu, um abermals zu ſchießen und zu treffen. So kam die Nacht heran und machte der Flucht und der Verfolgung
ein Ende. Ermattet bis zum Tode ſtürzten viele der Polen zur Erde nieder und erſehnten die Kugel, die ſie verſchonte. 3
Fünf Stunden des Kampfes, der gräßlichſten Aufregung— mit lech⸗ zender Lippe trockneten die Tapferen die feuchte Stirn und athmeten trüb und ſchwer.
Waſa und Stanislas ſchritten zwiſchen den Ihren auf und ab.„Lebſt Du noch, Taddeus? Was mag aus Bogumil geworden ſein? Weiß Nie⸗ mand mir vom jungen Woyslawice zu ſagen?“
Das waren Fragen, mit denen ſie den kleinen Reſt der Freunde be⸗ grüßten, traurige Fragen, die traurig beantwortet wurden.
„Frewwillige vor!“ hieß es jetzt.
Nur zehn Mann hatten noch Körper⸗ und Geiſteskraft genug, ſich zu melden.
„Wir brauchen Waſſer, Freunde,“ ſagte Stanislas,„denn unſere: Verwundeten leiden furchtbar. Geht, holt uns die Erfriſchung, wo Ihr ſie findet.“ 5
Und indeſſen ſie ſich im Walde Feiſthente traten die Offiziere zu einer Berathung zuſammen.
„Was thun?“—


