Ruhig ließ ſie den geliebten Mann gewähren, doch als des Vaters Stimme nach ihr rief und plötzlich das Gefühl der Trennung über ſie kam, da ſchlang ſie plötzlich ihre beiden Arme um Adrian, als könne ſie ihn nimmer laſſen und ihn feſt umfangend drückte ſie ihren Mund zu wiederholten Malen leidenſchaftlich auf ſeine Lippen.
„Rebecca, Rebecca!“ rief der Vater.„Rebecca!“ tönte auch des Bräu⸗ tigams Stimme.
S ie hörte es nicht. Aus dieſem Taumel vermochte keine Erdenmacht ſie zu erwecken.—.
Adrian ſelbſt trieb ſie dem Hauſe zu, wo ihre Familie ſich bereits zur Heimkehr rüſtete.
„Nun, Herr Graf,“ ſagte Abraham,„es bleibt dabei, daß Sie morgen früh bekommen den Brief an den Prinzen und Geld für die Reiſe, obſchon ich Ihnen ſagen muß, daß ich habe abgerechnet mit Graf Roger Woyslawice in dieſen Tagen und habe ihm geſchickt, was noch geblieben iſt von dem Nachlaß Ihres Herrn Vaters; denn, ſo wie es jetzt iſt, ſteht Ihr Geld beſſer in Paris, als bei mir. Aber für Sie habe ich noch, ſo viel Sie brauchen, und Sie müſſen damit verſehen ſein, falls, was der Herr verhüte, die Sache im Walde noch ſchiefer geht, daß Sie haben einen Zehrpfennig für die Heimkehr und können wieder nach Frankreich zurück.“
Adrian dankte dem freundlichen Alten, der bald darauf mit den Seinen heimkehrte. Dann ging er in das Zimmer, welches eine jüdiſche Magd ihm anwies und warf ſich müde auf das Bett.
Auf ſeinen Lippen brannten noch Rebecca's Küſſe, doch ſein Herz war ruhig; ahnte er nicht, daß er des ſchönen Mädchens Frieden auf immer ver⸗ nichtet hatte?—
Man hatte ihm in Paris ſo viele Gunſtbezeugungen entgegengetragen, er hatte ſich ſo ſehr daran gewöhnt, das nur als anugenblickliches Vergnügen, als vorübergehenden Reiz der Lebensluſt zu betrachten, daß er auch hier nichts Anderes erblickte und wollte.
Ein ſchönes Mädchen naht ſich ihm mit leicht erkennbarer Erregung— ſie entzieht ſich nicht ſeinen verlangenden Blicken, nicht ſeinem Händedruck und ſcheint in ſeinem Kuſſe nie geahnte Wonne zu finden— hat er dabei ein Unrecht begangen?—
Freilich, wenn das dumme Köpfchen ſich Gedanken machte, wenn das Herzchen länger brennen ſollte, als die rothe Lippe— freilich, das würde ihm leid thun, denn der Alte war freundlich gegen ihn und dem Mädchen gönnte er alles Gute, was ein Bräutigam wie Jacob zu gewähren im Stande iſt; vielleicht iſt's wenig genug, nun, dann hat ſie die Liebe wenigſtens durch ihn kennen gelernt und er hat ſich zu loben, daß er in ein ſonſt trockenes Daſein einen poetiſchen Funken warf.—


