Schmuel Iſrael aus Lemberg, der iſt gekommen, Häute kaufen, und ich habe ihm gegeben für eine Nacht Quartier, und wenn ich lege eine hundert Ru⸗
belnote bei, wird kein Gerede werden, denn Ihr Herr Vater iſt bei mir
geweſen mehr als acht Monat und hat gegolten für einen Gärtner aus Inovraclav und alle Welt hat gedacht, er iſt in meinem Dienſt, der Herr Graf, der er doch war, im Dienſt des Juden!“
Sie langten bei dem Gartenhauſe an und fanden in den heiteren, luf⸗ tigen Gemächern eine ſchnell hergerichtete Mahlzeit, denn Koch und Küchen⸗ junge waren ihnen auf kürzerem Wege vorausgeeilt.
„Nun,“ ſagte Abraham zu ſeinem Gaſte,„nun kann Ihnen Rebecca zeigen, wo Ihr Herr Vater ſelig hat gewohnt und iſt geſtorben. Ich hab's ihm nicht beſſer geben können und er hat's nicht beſſer verlangt, als es hier draußen iſt. Geh, zeig's ihm, Beckchen.“
Das Mädchen ſchwebte zur Thür hinaus und Adrian folgte ihr.
„Nein, nicht in das Sterbezimmer,“ ſagte er, als ſie die Treppe hinauf gehen wollte,„in den Garten wollen wir, dahin, wo ich das ſüßeſte Glück für einen Augenblick in meinen Armen halten könnte. Was iſt mir die Erinnerung an einen Todten, der ſchon ſeit Jahren nicht mehr für mich lebte!“
Er nahm ſie bei der Hand und ſie ſchritten dem Garten zu.
Der Mond lag hell auf den Rabatten und die Hyacinthen, welche in der vollſten Blüthe ſtanden, hauchten ſüße, berauſchende Düfte. Dunkle Schatten warfen die mächtigen Baumſtämme über die reinlichen Kieswege, die leiſe unter dem Tritte der Wandernden knirſchten, und die Nachtigall erhob ihr erſtes Liebeslied.
Adrian ſchlang ſeinen Arm um das hochathmende Mädchen, lehnte ſeine Wangen an ihre weiße Stirn und langſam, ſchweigend gingen ſie dahin.
Vergeſſen war in Rebecca's Bruſt die warnende Rede des Vaters, der ſtumme, ſchmerzliche Blick des Bräutigams; ſie fühlte nur, daß Adrian ſie an ſein Herz zog, daß ſie ihn liebte, daß ſie ſich ihm nicht verweigern durfte.
Mit der vollen Gluth der orientaliſchen Purpurroſe war die Liebe in ihrem Herzen erblüht und erfüllte es ganz mit zauberhaftem Glücke. All ihre Pulſe klopften dem angebeteten Jünglinge zu und— wie hätte ſie zweifeln können, daß ſo viel Leidenſchaft, ſo innige Hingabe Erwiederung fände!—
Sie liebte, ſie war ſelig— o ſüßer Traum einer mondhellen Früh⸗ lingsnacht!——
Sie ſaßen auf einer Steinbank; Adrian drückte ihr ſchönes Haupt an ſeine Bruſt und küßte zu unzähligen Malen ihre wie in wollüſtigem Rauſche geſchloſſenen Augen, die Purpurlippen, die ihm entgegenglühten, die heiße Wange, das duftende Haar.—


