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Von dem Gebete verſtand er kein Wort, da es in hebräiſcher Sprache gehalten wurde und ſeine Augen verweilten, wie von einem Zaubet gefeſſelt, auf ſeiner Nachbarin.
Es war daſſelbe Mädchen, welches er vor etwa zwei Stunden vor ih⸗ rem Verfolger geſchützt hatte.
Sie war weit weniger reich gekleidet, als die anderen Damen, auch barg ſie ihre dunklen Haare nicht wie jene unter einem turbanartigen Schleier. Sie trug ein einfaches Kleid von weißer Seide und Perlen waren ihr ein⸗ ziger Schmuck, doch in ſolch üppiger Fülle fielen die ſchwarzen Flechten auf ihren blendenden Nacken und in ſo reicher Farbenpracht erglänzten Wan⸗ gen, Lippen und Augen, daß man wähnte, das Herrlichſte zu ſehen, was je Natur erſchuf.
Die Marmorbläſſe, mit welcher ſie heute in Adrian's Arme geflogen, war verſchwunden und die den Frauen aus orſentaliſchem Stamme eigene Wärme des Colorits verſchönte ihre reinen Züge mit wunderbarem Reize; die langen ſchwarzen Wimpern deckten ſo ſüß das tiefblaue Auge, die weißen Zähne leuchteten ſo blendend aus den Purpurlippen hervor und der ſchlanke und doch üppige Wuchs erinnerte an die hochaufſtrebenden Palmen ihres Heimathslandes.
Erſt nachdem das Gebet vollendet, ſchlug ſie den Blick zu Adrian em⸗ por uud leicht erröthend zeigte ſie ihm, daß ſie ihn erkannte.
„Wie freut es mich, daß ich Ihnen danken kann!“ ſagte ſie leiſe und mit geſenkten Augen.
„Dankt man auch dem, den man beglückt?“ fragte er.
„Sie haben mich gerettet.— Jener entſetzliche Menſch verfolgt mich überall— und er iſt Mouravieff's Adjudant und Liebling.“
,,8O, wie bedaure ich es, nicht immer zu Ihrem Schutze hier ſein zu können.“
„Sie wollen uns ſo bald verlaſſen?“
„Ich gehe zum Prinzen Waſa.“
„O, dieſer entſetzliche Krieg!“ „So zweifeln Sie, daß er zur Freiheit führt?“ „Wer kennt des Höchſten Wege?— nur die Opfer kennen wir— ſie ſind entſetzlich.“ „Ich ſelber bringe eines, denn ich komme aus Paris, der Stadt des
Vergnügens.“
„Und Sie verließen ein Glück, das mir beneidenswerth erſcheint, um
hier den Tod zu ſuchen?“ 3
„Man wird zuletzt dieſer Feſte überdrüſſig. Das dreht ſich in immer gleichem Wirbel, da bringt der Winter ſtets den wechſelnden und immer gleichen Reiz der Oper, des Ballets, der Maskenbälle, der Sommer eben
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