Teil eines Werkes 
3. Theil (1864)
Entstehung
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ſo ſicher den Spazierritt in das Gehölz von Boulogne, den Tanz im Freien, endlich, wenn Alles müde wird, die Reiſe nach Baden⸗Baden.“—

Sie hörte ihm mit leuchtenden Augen zu, ſie konnte nicht müde wer⸗ den zu fragen und ſich erzählen zu laſſen.

Die Anderen ſchwatzten und lachten laut genug; Adrian und Rebecca redeten leiſe.

Wohl warf der alte Abraham manchen verwunderten Blick auf das ſchöne Paar, denn herrlich leuchteten des jungen Grafen goldene Locken neben des Mädchens rabenſchwarzen Flechten und ſeltſam contraſtirte ſein bleiches, müdes Geſicht mit ihren lebensvollen, beweglichen Zügen. 3

Der Alte ſprach das Schlußgebet und ſegnete die Seinen; dann ſtand man geräuſchvoll von der reichen Tafel auf und begab ſich wieder in den Geſellſchaftsſaal.

„Sie ſingen?“ fragte Adrian Rebecca, auf den koſtbaren Flügel deutend.

„O, nur ſehr ſchlecht!“ antwortete ſie.

„Iſt es erlaubt, die Wahrheit dieſer Worte zu erproben?“

„Mein Vater liebt Muſik.“

Sie winkte dem Diener, der den Flügel öffnete und Adrian nahm daran Platz und ließ die Finger über die Taſten gleiten, indeſſen Rebecca unter den Noten ſuchte.

„Nein, ich bitte, ſingen Sie zuerſt!“ bat ſie dann, die Blätter zurück⸗ legend.„Mir klopft das Herz und ich vermöchte keinen Ton hervorzu⸗ bringen.“.

Er ſang ein franzöſiſches Liebeslied und weil er keine⸗Noten dazu ge⸗ brauchte, ſo ſah er Rebecca dabei an und Rebecca ſchlug die Augen nieder und horchte heißathmend und mit halbgeöffneten Lippen.

Dann fanden ſie eines jener Duette, in denen die Stimmen zu der reichſten Harmonie in einander ſchmelzen, eine Vereinigung in das Reich des Schönen, wie ſie idealer nicht gedacht zu werden vermag.

Die Zuhörer ſpendeten reichlichen Beifall und forderten zu neuen Lie⸗ dern auf und Mitternacht war längſt vergangen, ehe der letzte Ton verklang, wie wenn ein Steinchen in das Waſſer fällt und ſeine Wellenringe leiſe verſchweben— man glaubt, es ſei vorbei— aber dem iſt nicht ſo: in der Tiefe bleibt etwas zurück, das eben da hinunterſank, ein Steinchen, ein Wort, ein Glück— wer weiß es?—

Die außerhalb des Hauſes wohnenden Kinder gingen mit ihren Gat⸗ ten heim.

Adrian zog ſich auf ſein Zimmer zurück, um nach den Leiden der letzten Nacht auf weichen Kiſſen auszuruhen; die Mutter ging hinaus, ſich ihres Schmuckes zu entledigen und der alte Abraham zog ſeine jüngſte Tochter auf ſein Knie, ſtreichelte ihre weiche Wange und fragte ſcherzend: