Teil eines Werkes 
3. Theil (1864)
Entstehung
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Auch ihre drei verheiratheten Töchter prangten im reichſten Schmuck und wetteiferten an üppigen Reizen mit den beiden Schwiegertöchtern. Sie alle ſaßen plaudernd um die Mutter, indeſſen die Söhne und Schwie⸗ gerſöhne ſtehend einen Kreis um den alten Abraham bildeten, der mit be⸗ haglichem Lächeln von den ſo glücklich zu Ende geführten Geſchäften der letzten Meſſe ſprach..

Als Adrian ſich vor den Anweſenden faſt ſchüchtern verbeugte, trat Abraham ihm freundlich entgegen und ſtellte den jungen Grafen zuerſt ſeiner Gattin, dann den anderen Damen, zuletzt den jungen Män⸗ nern vor.

„Aber wo iſt Rebecca?“ fragte er, ſich erſtaunt umſehend.

„Noch angegriffen von heute Nachmittag,“ verſetzte die Mutter,„das arme Kind hat auch zu viel zu leiden!“

„Soll mir nicht mehr allein hinaus,“ eiferte der Alte,„es iſt kein Verlaß auf all das Geſindel von Dienern, die denken, ſie thun einem Ju⸗ den die höchſte Ehre an, wenn ſie ſeinen Lohn nehmen und ihn beſtehlen, wo ſie können. Giebt ihnen der Ruſſe, verdammt ſoll er ſein, einen Sil⸗ berrubel, ſo verrathen ſie mich und mein ganzes Haus und denken noch, ſie thun Goitt einen Dienſt damit.“

Die Flügelthüren wurden geöffnet und eine reichbeſetzte Tafel zeigte ſich im anſtoßenden Saale.

Adrian war erſtaunt über die Pracht der Geſchirre, die goldenen Tel⸗ ler, das herrliche Porzellan. Man wies ihm einen Platz am unteren Ende der Tafel neben einem noch leeren Seſſel; der Hausherr dagegen präſidirte neben ſeiner Gemahlin auf rothen Sammetfauteuils, ringsum nach dem Alter von ſeinen Töchtern und Söhnen nebſt deren Gatten und Gattinnen umgeben. Alle ſchienen in großer Heiterkeit bei dieſem, jede Woche wieder⸗ holten Familienfeſte zu verweilen und unter Scherzen und Lachen nahm ein Jeder ſeinen Stuhl ein, indeſſen ein junges Mädchen ſchweigend in das Zimmer trat und ſich neben Adrian ſetzte.

„Der Alte ſetzte ſein Sammetkäppchen auf und plötzlich endete je⸗ des Geſpräch und Todtenſtille herrſchte in dem Saale, den die Dirmner lautlos verließen.

Ueber das auf einem goldenen Teller liegende Brod breitete Abraham ein weißes, reich mit Goldſchrift durchwobenes Tuch und während Alles ſchwieg und mit gefalteten Händen die Augen ſenkte, ſprach er das üb⸗ liche Sabbathstiſchgebet, als läſe er es von dem Tuche ab. Dann brach er das Brod, aß ſelbſt davon und reichte einem jeden ſeiner Kinder ein Stück davon hin.

Es lag etwas höchſt Feierliches in dieſer einfachen Ceremonie, das aber der junge Graf Woyslawice nicht begriff.

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